Monitore: Räumliche Illusionen erleben

Eine der beiden bei 3D-Monitoren zurzeit weit verbreitete Technologie zur Erzeugung eines dreidimensionalen Bildeindrucks ist die Shutter-Technik. Dabei wird das grundlegende stereoskopische 3D-Verfahren – das Gehirn setzt die Bildwahrnehmung des linken und rechten Auges zu einem räumlichen Bild zusammen – dadurch umgesetzt, indem zwei leicht unterschiedliche 2D-Bilder in einer raschen Folge nacheinander auf dem Bildschirm erscheinen. Eine mit dem Monitor exakt parallel geschaltete Shutterbrille blendet dann im Wechsel das jeweils für ein Auge bestimmte Bild ein und dunkelt gleichzeitig das andere ab.

Die aufwendige Technik hat allerdings ihren Preis: Shutterbrillen sind relativ teuer, die Investition geht daher bei mehreren Zuschauern pro Monitor schnell ins Geld. Außerdem müssen Shuttermonitore eine höhere Bildwiederholungsrate von 120 Hz aufweisen. Nur dann nämlich, wenn der rasche Wechsel der Stereobilder pro Auge mit jeweils 60 Hz erfolgt, nimmt das Gehirn dies als ein gleichzeitiges erscheinendes Bild wahr. Andernfalls trübt vor allem bei statischen Bildern (Texte, Fotos) ein Flimmern das 3D-Erlebnis spürbar, etwas weniger stark tritt das Problem bei bewegten Bildern (Filme, Spiele) auf. Ferner „schlucken“ Shutterbrillen Helligkeit und Kontrast des Monitors, weswegen die Darstellung oft relativ dunkel und detailarm erscheint.

Die Vorteile der Shutter-Technik bestehen hauptsächlich darin, dass nur selten Geisterbilder auftreten und die volle Bild(schirm)-Auflösung erhalten bleibt. Außerdem ist die Technik nicht blickwinkelabhängig – vor einem Shuttermonitor können demnach mehrere Personen gleichzeitig in den Genuss des 3D-Effekts kommen. Dies ist bei der Polarisationstechnik nicht so einfach möglich, da in diesem Fall der 3D-Monitor die Halbbilder gleichzeitig anzeigt und die entsprechende Polfilterbrille in einem bestimmten Winkel zum Bildschirm ausgerichtet sein muss – zumindest ist dies bei der sogenannten linearen Polarisation der Fall. Bei neueren 3D-Monitoren (PC und TV) hingegen, die mit der zirkulären Polarisation (RealID) arbeiten, muss der Kopf nicht mehr möglichst exakt in Position gebracht werden.

Vorteile bietet die Polarisationstechnik hinsichtlich Farbtreue und Bildqualität, die technisch wesentlich weniger komplexen Polfilterbrillen wiederum kommen günstiger als Shutterbrillen. Außerdem neigen die Bildschirme im Gegensatz zu Shutter-Monitoren nicht zum Flimmern. Andererseits bringt die gleichzeitige Darstellung der Stereobilder eine Halbierung der Auflösung mit sich. Speziell bei der linearen Polarisation treten ferner Doppelbilder („Geisterbilder“) auf, sobald eine Bildinformation das falsche Auge erreicht.

3D-Effekte mittels Polarisation- oder Shuttertechnik sind ein relativ teures Vergnügen, denn sie setzen zusätzlich zu den Brillen und einer potenten Grafikkarte auch spezielle 3D-Monitore voraus. Deutlich preiswerter und unkomplizierter kommt hingegen das Anaglyphenverfahren, mit dem auf jedem beliebigen Bildschirm ein 3D-Effekt realisiert werden kann. Vor allem aus dem Kino und von 3D-Fotos bekannt, setzten hierbei mit Komplementärfarben eingefärbte Stereobilder den 3D-Effekt um. Die einfachen (und günstigen) Farbanaglyphenbrillen in Rot/Grün filtern für jedes Auge die entsprechende Farbe wieder heraus, trotzdem ist eine farbtreue Wiedergabe nicht möglich. Etwas besser, wenn auch immer noch nicht sehr gut, gelingt dieses Verfahren Rot/Cyan-Brillen. Nachteil: Der am heimischen Monitor erzielte 3D-Effekt ist nicht überwältigend.

Da das Gros der User sich an den für den 3D-Effekt notwendigen Brillen stört, arbeiten derzeit viele Hersteller unter Hochdruck an der Weiterentwicklung autosteroskopischer 3D-Monitore, die den 3D-Effekt direkt am Bildschirm erzeugen. Die Technik kommt bereits etwa im medizinischen Bereich seit Längerem zum Einsatz, ist jedoch bisher noch zu teuer für den breiten Markt und zudem extrem blickwinkelabhängig. Den Vorreiter für diese Technik spielen zurzeit Handheld-Spielekonsolen sowie Smartphones mit ihren im Vergleich zu einem PC-Monitor doch fast winzig-kleinen Displays. Und auch die Umsetzung, das heißt, der erzielbare 3D-Effekt, lässt ebenfalls doch noch deutlich zu wünschen übrig.

Autor: Wolfgang