Tintenstrahldrucker (A3): Das Dilemma mit den Tintenpatronen

Warum halten meine Patronen nie so lange wie vom Hersteller versprochen?

Kombiset HP 903 XL (Bildquelle: amazon.de)

Es ist das alte Leid: Sie kaufen eine volle Druckerpatrone für ihren Tintenstrahler, die eine Reichweite von mehreren hundert Seiten besitzen soll, aber grundsätzlich verkündet der Drucker schon lange vorher wieder den nötigen Patronenwechsel. Wie kann das sein? Der Frust ist in jedem Fall groß. Bei so manchem entlädt sich dieser Frust dann in negativen Käuferbewertungen auf den verschiedenen Verkaufsportalen. Nicht selten kann man zu einem satten Drittel nur negative Rezensionen lesen, von Abzocke und Betrug ist die Rede. Ein Beispiel ist die HP-903-Produktfamilie auf Amazon: Viele Nutzer empfinden es als unfair, dass der Hersteller 315 Seiten Reichweite verspricht, bei manchem aber nach zwei bis drei Dutzend Seiten schon wieder Schluss ist. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, auch wenn die Reichweiten-Ausweisung der Hersteller sicherlich verbesserungswürdig ist.

Angaben beziehen sich nicht auf den vollfarbigen Druck

Selbst bei Farbpatronen wird die Reichweite nämlich nicht in Bezug auf den klassischen Fotodruck gemessen. Vielmehr steht hinter der Angabe eine komplizierte Berechnung in Form einer sogenannten Mischnutzung. Das heißt, die Hersteller gehen davon aus, dass Sie viel Text, ab und an großflächige Grafiken und zusätzlich auch einige Fotos drucken. Das Messszenario soll so nah an den realen Bedingungen der meisten Kunden liegen, wie nur irgend möglich. Die Hersteller verstecken sich dabei gerne hinter Warnhinweisen wie "Tatsächliche Reichweite ist abhängig vom Deckungsgrad der gedruckten Seiten basierend auf ISO/IEC 24711". Dahinter steht ein 2006 verabschiedeter Messstandard, der davon ausgeht, dass in obigem Mischszenario Schwarz-Weiß-Seiten eine Deckung von nur 4 bis 5 % Schwarz aufweisen, während bei Farbdrucken etwa 20 % angenommen werden.

Bilderdruck ist ein wahrer Patronenkiller

Diese Annahmen haben einen Vorteil: Sie können als Kunde genau vergleichen, welche Patronen bei welchem Hersteller wie lange halten. Der Wert erlaubt also ähnlich einer Abgasmessung für Kraftfahrzeuge einen Vergleich verschiedener Marken, hat aber auf ihr persönliches Druckverhalten nur wenig Anwendungskraft. Denn wenn Sie nur ein bisschen mehr vollfarbige Bilder drucken, zerschießt dies jede Beispielrechnung. Denn dann geht es schnell hoch bis auf 90 % Deckung, im randlosen Druck noch mehr. Somit werden fleißige Fotodrucker die Erfahrung machen, dass sie effektiv eigentlich das 5- bis 10-fache dessen verbrauchen wie im Standard vorgegeben ist. Und somit sind dann selbst XXL-Patronen mit angeblich 800 Seiten Reichweite ganz schnell nach 80 bis 150 Seiten am Ende. Wird eine Farbe stärker genutzt, ist die Patrone natürlich noch eher am Ende.

DIN-A3-Druck und Formulare mit Hintergrund: Tücken im Detail

Sie sollten auch weitere Details bei der Rechnung beachten, die selbstverständlich erscheinen mögen, dann aber doch schnell vergessen werden. So verdoppelt ein DIN-A3-Druck schnell die benötige Tintenmenge. Das ist natürlich banal, aber gerade in diesem Format neigen viele Nutzer zum Ausdruck schöner vollfarbiger Fotos für die Rahmung an der Wand, während im A4-Format viel eher der Mischdruck betrieben wird. Daher schlägt jeder A3-Druck umso heftiger in die gefühlte Reichweite der Patrone ein. Ferner sollten Sie sich vor Formularen mit – wenn auch nur schwacher – Musterung oder Farbfläche im Hintergrund hüten. Selbst wenn viel Weiß mit im Spiel ist, wird insbesondere bei Scans dieses Weiß gerne als ein Beige-Ton interpretiert und entsprechend pastellartig abgedruckt. Die Folge ist auch hier ein hoher Tintenverbrauch. Scannen und Kopieren ist ein Hauptgrund für versteckte Tintenkosten!

Und wie wird es billiger?

Das Nachfüllen der Tinte bei einem Canon G6050 (Bildquelle: amazon.de)

Hier haben Sie jetzt vor allem zwei Optionen. Eine ist vergleichsweise banal: Greifen Sie zu den spürbar teureren XL- oder XXL-Patronen. Deren Reichweite wird zwar ebenso berechnet, gleichwohl erhalten Sie hier im Verhältnis wirklich mehr fürs Geld, ganz einfach, weil die Patronen günstiger sind. Preislich nochmal attraktiver sind die Kombipacks, in denen gleich alle Farben und Schwarz zusammengestellt sind. Der Preisvorteil zwischen Einzelpack und Kombipack ist oftmals sogar noch größer als der zwischen normaler Patrone und XL-Patrone. Eine zweite Möglichkeit: Sie greifen zu einem Tintentank-Drucker wie den EcoTanks von Epson oder den G-Serie-Modellen von Canon. Bei ihnen müssen Sie keine Patronen mehr kaufen, sie füllen die Tinte aus preiswerten Nachfüllpacks einfach in den internen Tintentank. Die Kosten reduzieren sich hier auf bis zu 1/10 des Üblichen! Für den Profidruck reicht die Qualität vielleicht noch nicht, aber der heimische Fotodruck an der Wand erstrahlt genauso wie bei anderen Tintenstrahlern.

Autor: Janko