Ein Serienauto? Nichts weiter als Rohmaterial, das es zu verbessern gilt. So lautet zumindest das Credo diverser Tuner, die Autos durch Umbauten mit mehr Motorleistung, anderem Fahrwerk und einer sportlicheren Optik ausstatten. Die Mehrheit dieser Unternehmen arbeitet nicht breit gestreut, sondern hat sich jeweils auf die Produkte eines bestimmten Autoherstellers spezialisiert. In einigen Fällen führte dies zu einer Übernahme der Tuner durch die Konzerne: AMG gehört seit 1999 mehrheitlich zu Mercedes, Fiat kaufte bereits 1971 Abarth.

Audi R8, getunt von Abt Abt-Audi R8

Abt: Audi, VW, Skoda, Seat

Die Abt Sportsline GmbH ist auf das Tuning von Audi abonniert. Vom Kleinwagen A1 über die Limousinen A4, A6 und A8 bis zum Supersportler R8 hat die Allgäuer Firma praktisch alle Audi-Modelle veredelt und ist überdies Audi-Partner im Motorsport. Zudem finden sich auch die anderen Marken des Volkswagen-Konzerns im Abt-Programm. Wer will, kann einen biederen Van wie den Seat Alhambra mit 1.4-TSI-Motor von 150 PS auf 210 PS pushen und mit einem beleuchteten Abt-Schriftzug an den Einstiegsleisten aufwerten.

Heckschriftzug des Alpina B6 Biturbo Alpina B6 Biturbo

Alpina und Schnitzer: BMW

Wie Abt, so ist auch Alpina im Allgäu ansässig, hat sich allerdings einem anderen bayrischen Fahrzeughersteller verschrieben. Bei Alpina krempelt man einen BMW so gründlich um, dass das Kraftfahrtbundesamt den Betrieb seit 1983 als eigenständigen Hersteller führt. Ein Alpina B6 BITURBO Coupé bringt es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 320 Stundenkilometern und eine Beschleunigung auf Tempo 100 in 4,3 Sekunden. Die Firmen AC Schnitzer und Schnitzer Motorsport – beide eigenständig, aber gemeinsamen Ursprungs – haben sich ebenfalls als Tuner von BMW-Modellen einen Namen gemacht. Schnitzer Motorsport konnte in der DTM-Saison 2012 sowohl die Fahrer- und Teamwertung für sich entscheiden

Die Brabus E-V12-Limousine Brabus E V12

Brabus: Mercedes und Smart

Mitten im Ruhrgebiet, in Bottrop, residiert Brabus, der größte eigenständige Autotuner der Welt. Mit Alpina hat er gemeinsam, dass er als Kfz-Hersteller eingestuft wird. In erster Linie sind es Mercedes, die bei Brabus umgerüstet werden. Bei den Änderungen beschränkt sich das Unternehmen nicht auf den Motor, sondern gestaltet auch den Innenraum neu und modifiziert das Fahrwerk. Auch die ohnehin schon leistungsstarken AMG-Modelle bekommen zusätzliche Pferdestärken spendiert, und nicht einmal vor dem Sprinter macht die Firma halt, bis zu 310 PS sind für den Expressgut-Lieferwagen möglich. Vom Smart bringt Brabus eine 102-PS-Version heraus, die vorsichtshalber bei 155 Stundenkilometern abgeregelt ist.

CLA-Mercedes, getunt von Carlsson Carlsson CLA

Carlsson: Mercedes

Auch Carlsson-Modelle weichen so stark vom Mercedes-Basisfahrzeug ab, dass sich die Grenze vom Tuner zum Hersteller verwischt, Carlsson genießt offiziell den gleichen Status wie Brabus und Alpina. Spitzenmodell ist der auf 25 Exemplare limitierte Gran Turismo Carlsson C25 mit V12-Biturbo und 735 PS für mehr als 500.000 EUR, der auf einem Mercedes SL 65 AMG beruht. Die 1989 gegründete Firma bietet außer Fahrzeugen auch Einzelteile an, etwa eine große Auswahl von Leichtmetallfelgen.

Opel Antara, getunt von Irmscher Opel Antara mit Irmscher-Tuning

Irmscher: Opel, GM und Peugeot

Für das Tuning von Opel und anderen General-Motors-Fahrzeugen sieht sich Irmscher zuständig. Wenn das „Aufmotzen“ von Autos eine Blütezeit erlebte, dann in der Ära des Manta B. Während der 80er Jahren gelangte die zweite Manta-Generation nicht zuletzt dank Irmscher bei der Spoiler-Fraktion der Sportwagenfans zu Kultstatus. Den Probemen bei Opel konnte sich das mittelständische Unternehmen nicht entziehen, im November 2012 gab Irmscher die Schließung des Stammsitzes in Remshalden (nahe Stuttgart) bekannt, bleibt insgesamt aber aktiv. Zum Programm gehören neben dem Opel-/GM-Tuning auch Spoiler, Kühlergrills und andere Anbauteile für Peugeot.

Ruf-Porsche CTR 3 Ruf CTR 3

Ruf: Porsche

Porsche wird selten nachgesagt, zu langsame Autos zu bauen, dennoch sieht die Firma Ruf seit den 70er Jahren Verbesserungsbedarf. Ruf firmiert als eigenständiger Hersteller und bietet derzeit sechs Modelle an, die auf Fahrzeugen der Zuffenhausener Sportwagen basieren. Einer davon ist der CTR 3, hinter dem sich ein leistungsgesteigerter 911er mit 750 PS verbirgt, der rund 370 Stundenkilometer schnell sein kann; es handelt sich praktisch um einen Rennwagen mit Straßenzulassung. Der schwächste Ruf-Porsche ist der Roadster mit 400 PS.

Ford Focus RS, getunt von Wolf Focus RS von Wolf Racing

Wolf Racing: Ford

Für Ford gibt es in Deutschland vergleichsweise wenig Tuning-Firmen, an erster Stelle ist Wolf Racing zu nennen. Das Unternehmen verhilft seit 1979 etlichen Ford-Modellen zu mehr Leistung, vom Ka über den Fiesta und Focus bis zum S-Max. Wolf Racing hat allerdings nicht zu tun mit dem britisch-kanadischen Motorsport-Team Walter Wolf Racing, das bis 1979 in der Formel 1 präsent war. Wolf Racing bietet nach eigenen Angaben Leistungssteigerungen bis über 500 PS, dazu vergrößerte Turbolader, Ölkühler und Sportluftfilter. Weiter Tuningmaßnahmen erfassen die Abgasanlage, die Räder, das Fahrwerk und die Innenausstattung.

Tuning ab Werk

Neben den unabhängigen Tunern existieren bei den Fahrzeugherstellern eigene Abteilungen mit ähnlichem Aufgabenbereich. BMW unterhält die M GmbH, Renault bringt stärkere Gordini-Modelle heraus und bei Nissan kümmert sich die Sparte Nismo (Nissan Motorsport) um das Aufpeppen der Standardmodelle.

Autor: Hendrik