Mittelklasse – das klingt wenig aufregend, aber solide. Nicht zu mickrig, aber auch nicht zu protzig und daher mit wenig Potenzial für Mitleid oder Neid versehen. Eine sichere Wahl. Wer Mittelklasse fährt oder ihr angehört, hat zumindest schon mal nicht alles falsch gemacht. Es verwundert nicht, dass man mit diesem Ansatz beim VW Passat landet, dem beliebtesten Fahrzeug seiner Art in Deutschland. Ihm folgt in der Mittelklasse-Rangliste häufig die Mercedes C-Klasse, die ähnliche Unaufgeregtheit in Blech verkörpert. Auch Modelle wie der Audi A4, der Ford Mondeo oder der Opel Insignia passen ins Bild. Lediglich der 3er-BMW, der gerne in vierter Hand mit dunklen Heckscheibenfolien und diversem Zierrat aus dem Do-It-Yourself-Tuning-Shop veredelt wird, fügt sich nicht ganz in das brave Schema. Ein Mittelklasse-Definitionsmerkmal ist die Fahrzeuglänge, die typischerweise bei ca. 4,70 Metern liegt. Knapp 20 Prozent aller Pkw der Bundesrepublik entfallen auf die Mittelklasse.

Der Passat von VW VW Passat Variant

Klassenbester: VW Passat

Wer VW Passat sagt, der meint in erster Linie den Variant, denn acht von zehn Käufern ordern die Kombi-Karosserieform, um den Wagen größtenteils gewerblich zu nutzen. Private Neuzulassungen sind beim Passat Variant die Ausnahme. Im Jahr 2012 hatte der Passat bei den Pkw einen Marktanteil von 2,9 Prozent und konnte sich damit auf Platz 2 hinter dem Golf und vor dem Polo platzieren. Das Platzangebot des Variant mit einem 603-Liter-Kofferraum, gepaart mit einer Zuladung von 625 Kilogramm, überzeugt offenbar viele Gewerbetreibende, die mindestens 25.000 EUR für den Volkswagen hinlegen müssen und dafür ein sehr ausgewogenes Fahrzeug mit reduziertem Glamour-Faktor erhalten. Wer etwas mehr Chic möchte, findet vielleicht Gefallen am VW CC, der bis 2012 Passat CC hieß und durch seine flachere Karosserie mehr Coupé-Eleganz vermitteln soll.

Der Skoda Octavia in Kombi-Ausführung Skoda Octavia Combi

Emporkömmling: Skoda Octavia

Ein aufkommender Passat-Herausforderer ist der Skoda Octavia, der in der neuesten Version ebenfalls zur Mittelklasse gerechnet werden kann, der gleichermaßen als Kombi bevorzugt wird, ähnliche Geräumigkeit wie sein Konzern-Verwandter bietet, aber einige tausend EUR weniger kostet. Auch als Fließheck-Limousine mit gewaltigem 590-Liter-Kofferraum überzeugt der Octavia, falls man sich mit der etwas härteren Fahrwerks-Abstimmung arrangieren kann. Für moderate 16.000 EUR beginnt mit dem Octavia der Einstieg in die Mittelklasse.

Die C-Klasse von Mercedes Mercedes C-Klasse

Hecktriebler: Mercedes C-Klasse

Auf Platz vier der 2012er-Pkw-Zulassungsstatistik findet sich nach dem Passat der nächste Vertreter der Mittelklasse, nämlich die heckgetriebene C-Klasse von Mercedes. Die aktuelle Baureihe 204 steht als klassische Stufenheck-Limousine, Kombi und Coupé bereit. Ihre Serienausstattung lässt sich durch die luxuriöseren Varianten Elegance und Avantgarde aufwerten. Vorläufer der C-Klasse ist der langlebige 190er (Baureihe W 201), der heute noch häufig im Straßenbild zu sehen sind.

Der 3er von BMW BMW 3er

BMW-Erfolgsmodell: 3er-Reihe

Einer der Gründe für den Start des Mercedes W 201 im Jahr 1982 war der große Erfolg des 3er-BMW, dem der 190er Kunden abjagen sollte. Zwar spricht der 3er vornehmlich ein sportlich orientiertes Publikum an, doch beim Kampf um Marktanteile in der Mittelklasse sind der 3er-BMW und die C-Klasse auch heute noch enge Rivalen. Der BMW rangiert in der Neuwagen-Zulassungsstatistik von 2012 mit einem Marktanteil von 2,03 Prozent auf Platz 6, also zwei Plätze hinter dem Stuttgarter Wettbewerber. Im zweiten Quartal 2013 dagegen eroberte der 3er direkt hinter dem VW Passat den dritten Platz. Für den BMW sind mindestens 29.000 EUR anzulegen.

Der A4 von Audi Audi A4

Teurer Passat-Verwandter: Audi A4

Der Audi A4 liefert VW-Technik und teils gleiche Motorisierung wie der Passat, aber ein flotteres Image und eine noch perfektere Verarbeitung als sein biederer Bruder. Dafür kostet das A4-Einstiegsmodell 28.000 EUR, der 450 PS starke RS4 Avant ist mit 77.000 EUR ausgepreist. Im Jahr 2012 erreichte der A4 mit seinen sportlichen Ableger S4 und RS4 den zehnten Platz in der Zulassungsstatistik, der Marktanteil betrug 1,87 Prozent.

Der Mondeo von Ford Ford Mondeo

Abstandshalter: Ford Mondeo und Opel Insignia

Mit deutlichem Abstand folgen Konkurrenten, die ehemals VW in der Mittelklasse erfolgreich Paroli bieten konnten, doch das ist lange her. Der Opel Ascona behauptete sich in den 70ern und 80ern gegen die Wolfsburger Modelle ebenso wie zunächst sein Nachfolger, der Vectra. Vom Glanz dieser Zeiten ist wenig übrig. In der Neuwagen-Statistik des zweiten Quartals 2013 muss sich der aktuelle Opel-Repräsentant der Mittelklasse, der Insignia, mit Platz 61 begnügen. Auf Platz 51 sortiert sich der Ford Mondeo ein, der damit bei weitem nicht den Stellenwert genießt, der früher einem Ford Taunus zukam. Insignia und Mondeo erreichen zusammen genommen nicht einmal die Hälfte der Verkaufszahlen, die der VW Passat verbuchen kann, so die Auto Bild. Daraus lässt sich allerdings nicht folgern, dass es sich um schlechte Autos handelt, so gelten zum Beispiel das Fahrwerk und die präzise Lenkung von Ford als vorbildlich.

Der Mazda 6 Mazda 6

Herausforderer: Mazda 6

Ein neuer, ernst zu nehmender Gegner für den Klassenprimus kommt aus Japan. Dem Mazda 6 der dritten Generation gelingt es bei Vergleichstests zwar nicht ganz, den Wolfsburger auszupunkten, denn das straffe Fahrwerk ist nicht jedermanns Sache. Doch beim Antrieb hat Mazda nicht zuletzt dank der agilen, laufruhigen und sparsamen Skyactive-Dieselmotoren derzeit die Nase vorn. Ob der Mazda die Dienstwagen-Dominanz des Volkswagens auch nur ankratzen kann, bleibt mehr als fraglich.

Andere bekannte Hersteller kommen in der Mittelklasse nur begrenzt zum Zuge. Einen Renault Laguna, Volvo S60, Toyota Avensis oder Lexus IS sucht man in den Top 100 der deutschen Neuwagen-Zulassungszahlen ebenso vergeblich wie einen Kia Optima, Honda Accord oder Peugeot 508.

Autor: Hendrik