Cabriolets: Reizwäsche oder Feinripp

  • Gefiltert nach:
  • Reizwäsche oder Feinripp
  • Alle Filter aufheben

BMW Mini gegen Mazda MX-5Reizwäsche oder Feinripp, kultiges Retro-Cabrio oder puristischer Roadster, Heck- oder Frontantrieb, oder kurz: BMW Mini Cooper S Cabrio 1.6 oder Mazda MX-5 2.0 MZR Roadster? Die Käufer und Verehrer der beiden Cabrio-Ikonen stehen sich, so „Sport Auto“, nahezu unversöhnlich gegenüber, weswegen die Zeitschrift wissen wollte, welcher von beiden in einem Direktvergleich eigentlich die besseren Karten hätte. Am Ende stand fest: Der kurvensüchtige Mini gewinnt den Vergleich klar nach Punkten, kostet aber – ebenso wie Reizwäsche – um einiges mehr als der MX-5, der auf dem Slalomkurs am Hockenheimring wertvolle Punkte auf den Testsieger verlor.

Gegensätze ziehen sich an, weswegen „Sport Auto“ auch den Direktvergleich der an sich unvergleichlichen Cabrio-Konzepte nicht scheute. Dass dabei der Mini Cooper S Cabrio in puncto Alltagstauglichkeit mit einem kleinen Punktevorsprung ins Rennen gehen würde, stand von vorne herein fest. Die Frage war deshalb, ob der puristische Roadster bei den Fahrleistungen über Land und auf dem Hockenheimring den Mini distanzieren könnte – ein Cabrio, das auf Münchens Flaniermeilen, wie „Sport Auto“ süffisant anmerkt, seine (Image-)Karriere gestartet hat und deswegen doch eher zum Objekt großstädtischer Voyeure taugt als zur heißen Kurvenhatz mit offenem Verdeck. Oder?

Falsch gedacht. Schicki- und Micki hin oder her. Der Mini präsentierte sich auf der Landstraße als ausgesprochen kurvensüchtig. Der Schürzen- wie Kurvenjäger („Sport Auto“) legte ein direktes Einlenkverhalten an den Tag, präsentierte sich äußerst beweglich und mit einem straffen, aber nicht vehement abgestimmten Fahrwerk. Der Mazda MX-5 bot dem Mini jedoch Paroli. Auch bei ihm stimmen Einlenkverhalten und Kurvensucht, wobei der Fahrer von den Recarositzen fest umklammert wird und der Wagen – wie weiland von Michael Schuhmacher schon als Geheimnis seines Erfolges propagiert – mit dem „Popometer“ gefahren werden kann: Die Distanz zur Straße ist eben um einiges geringer als beim Mini, weswegen das subjektive Tempo-Empfinden im MX-5 deutlich höher ist.

Zu Unrecht jedoch, wie die objektiven Messdaten der anschließenden Testfahrten auf dem Hockenheimring bewiesen. Um rund 1,5 Sekunden war der Mini auf einer kleinen Runde schneller unterwegs als der MX-5. Lediglich im Spurt auf 100 km/h konnte der Roadster dem Mini die lange Nase zeigen – jedoch auch hier nur um 0,2 Sekunden. Dafür machte der Mazda richtig Spaß: Auf Kommando, so „Sport Auto“, lenkte der MX-5 verzögerungsfrei und präzise ein. Spätestens auf der Slalomstrecke aber musste der MX-5 seine Niederlage eingestehen. Er neigte aufgrund eines etwas zu agilen Hecks zum Aufschaukeln, während der Mini direkt und handlich durch die Pylonen zu steuern war. Der Unterschied auf der 18-Meter-Slalomstrecke: 64,0 km/h zu 68 km/h.

Zum Schluss spielte der Mini noch seinen Turbo-Vorteil aus. Zwischen 1.600 und 5.000 Touren bietet er ein maximales Drehmoment von 240 Newtonmetern, während der Mazda erst bei späten 5.000 Umdrehungen sein maximales Drehmoment von 188 Newtonmetern erreicht. Der Mini, so formuliert es „Sport Auto“, prescht einfach „williger vorwärts“ als der MX-5.

Es blieben zum Schluss deshalb nur noch ein paar praktische Fragen zu klären, etwa die nach dem Verdeck. In Sekundenschnelle lässt es sich beim MX-5 öffnen, der automatische Mechanismus des Mini lässt sich dafür 15 Sekunden Zeit – und ist dagegen beim Schließen von Vorteil, immerhin muss man nicht aussteigen. Das geöffnete Mini-Verdeck wiederum raubt eher kleiner geratenen Fahren die Sicht nach hinten – die optionale Einparkhilfe schient Pflicht zu sein, womit wir auch beim letzten Testkriterium angelangt wären. Denn wie gute Reizwäsche, so hat auch der BMW Mini Cooper S Cabrio 1.6 seinen Preis, der beim Grundpreis rund 3.000 Euro über dem Mazda MX-5 2.0 MZR Roadster liegt. Nimmt man noch die ein oder andere sinnvolle Ausstattungsvariante wahr, legt man zum hohen Grundpreis flott 6.000 Euro dazu. Doch trotz dieser zweifelhaften Ausstattungs-Preis-Politik von BMW war dem Mini der Testsieg nach Punkten nicht zu nehmen. Das Testergebnis können Sie in den kompakten Testfazits noch einmal nachlesen. Übrigens: Auch die Zeitschrift „Auto Straßenverkehr“ hat den beiden Cabriolets erst kürzlich einen Test gewidmet, zu dem Sie dieser Link führt.

Autor: Wolfgang