Weil das Angebot an Motorrad-Navigationssystemen zur Zeit immer noch überschaubar ist, bietet sich an dieser Stelle eine Marktübersicht der gängigsten und bekanntesten Motorrad-Navigationssysteme an. Dabei werden nur Geräte berücksichtigt, die sich ausdrücklich für den Einsatz auf dem Motorrad empfehlen. Außerdem sind seit 2008 so genannte Hybrid-Navigationssysteme auf dem Markt, die sowohl für den Einsatz im Auto als auch für Outdoor-Aktivitäten beziehungsweise auf dem Motorrad konzipiert sind.

Garmin - TomTom - Hybrid-Modelle - Handys/Smartphones

In Deutschland konnten sich in den vergangenen Jahren vor allem zwei Hersteller mit qualitativ hochwertigen, dafür allerdings auch mit über 400 Euro relativ teuren Geräte etablieren.

Marktführer Garmin und TomTom

tomtomgarminUnangefochtene Marktführer sind momentan noch zu einen der amerikanische Hersteller Garmin mit seiner „Zûmo“-Serie und das niederländische Unternehmen TomTom, dessen Motorrad-Navis an der Bezeichnung „Rider“ zu erkennen sind. Qualitativ unterscheiden sich die beiden Serien nur in Details. Sowohl das Zûmo wie das Rider erzielen in Test immer wieder gute Leistungen und Noten. Die Entscheidung für ein „Zûmo“ oder ein „Rider“ hängt deshalb bei vielen Motorradfahrern häufig stark von persönlichen Vorlieben oder sogar von der Motorradmarke ab.

Garmin kommt bei der Herstellung seiner Motorrad-Navis seine langjährige Erfahrung im Bereich Outdoor- und Marine-Navigation zugute, während TomTom primär Auto- Navigationsysteme herstellt. Die Wasserfestigkeit und Robustheit der Zûmo-Serie stand daher von Anfang an kaum außer Frage – was sich auch bis heute nicht geändert hat. Über den Outdoor-Hintergrund haben die Zûmo-Navis gegenüber den TomTom-Modellen aber auch bestimmte Funktionen wie zum Beispiel die Aufzeichnung der gefahrenen Wegstrecke voraus. Motorradfahrern, die darauf viel Wert legen, fällt die Entscheidung zwischen Garmin und TomTom demnach meistens ziemlich leicht. Aber auch zum Beispiel Enduro-Fahrer, die häufig offroad unterwegs sind, greifen eher zu einem Zûmo.

Zûmo 400 (li) und 660 (re)

Zûmo 400 (li) und 660 (re)

Immer noch lieferbar ist das etwas ältere und günstigste Gerät der Zûmo-Serie, das Zûmo 400. Das Navi kann sowohl mit Straßenkarten und topographischen Karten bestückt werden, ermöglicht die Streckenaufzeichung sowie den bequemen Austausch der Tracks über eine SD-Karte. Nachteil: Da das Zûmo 400 kein Bluetooth-Modul besitzt, erfolgt die Sprachausgabe ausschließlich über Kabel. Den Komfort einer kabellosen Kommunikation wiederum ermöglicht das Zûmo 500/550, bei dem jedoch in der Anschaffung mit einem Aufpreis von bis zu 200 Euro kalkuliert werden muss. Das 500/550 beherrscht die Offroad-Navigation, Zusatztasten zum einfachen Scrollen im Menü mit Handschuhen und natürlich auch die Funktionen Aufzeichnen/Importieren/Exportieren von Routen. Das Navi wird daher häufig von Tourenfahrern bevorzugt.
Mit dem Zûmo 660 hat Garmin rechtzeitig zur Sommersaison 2009 ein neues Motorradnavi im Programm. Das Navi verfügt erstmals über Komfortfunktionen, die bisher nur Auto-Navis vorenthalten waren. Dazu gehören ein Fahrspurassistent, Text-to-Speech (Ansage von Straßennamen), die fotorealistische Wiedergabe von Kreuzungen und Verkehrszeichen, 3D-Ansichten von Gebäuden sowie Foto-Navigation. Das Zûmo 660 eignet sich deshalb auch besser zum Einsatz im Auto als seine Vorgänger und schließt die Lücke zwischen den bisher eher als Nischenprodukt gehandelten Motorradnavis und dem Massenmarkt der Auto-Navigation. Generell zeichnen sich übrigens alle Garmin-Navis durch die gute Ablesbarkeit des Displays bei Sonnenlicht sowie das Original-Halterungssystem aus.

Rider 2nd Edition

Rider 2nd Edition

Der zweite renommierte Hersteller ist das niederländische Unternehmen TomTom. Die Serie mit speziellen Navigationssystemen für Motorräder führt den Namen „Rider“ und ist ebenfalls erst kürzlich um das brandaktuelle Modell Rider 2nd Edition (Europa-Variante) ergänzt worden. TomTom hat gegenüber dem ersten „Rider“-Gerät den Nässeschutz deutlich verbessert und auch das Halterungssystem überarbeitet. Diese gilt sogar mittlerweile als derzeit beste Halterung für ein Motorrad-Navi, die am Markt lieferbar ist. Der grundsätzliche Unterschied der Rider-Navis zu den Zûmo-Modellen besteht darin, dass sie keine Aufzeichnung der gefahrenen Strecken ermöglichen. Ihre Stärke liegt in der Straßennavigation. Das Rider 2nd Edition punktet außerdem immer wieder mit großer Benutzerfreundlichkeit und einem guten Handling auch während der Fahrt. Im Gegensatz zu den Garmin-Modellenist ein Bluetooth-Headset bereits im Lieferumfang enthalten. Zur Nutzung der Verkehrsinformationen wiederum ist ein Mobiltelefon notwendig.

Hybrid-Modelle

Unter Hybrid-Modellen versteht man Navigationssysteme, die bewusst eine Brücke zwischen den verschiedenen klassischen Einsatzgebieten schlagen – etwa zwischen der Auto- und Motorrad-Navigation oder zwischen den Bereichen Outdoor und Motorrad.

Traffic Assist Z100

Traffic Assist Z100

Seit Ende 2008 drängt ein weitere Hersteller in den Nischen-Markt Motorrad-Navigation. Becker bedient sich dabei mit dem Traffic Assist Z100 der Strategie, ein Hybrid-Navigationssystem für die gleichzeitige Nutzung im Auto und auf dem Motorrad anzubieten. Genau besehen handelt es sich beim Z100 allerdings um ein Auto-Navi, das besonders robust gebaut und gegen Spritzwasser geschützt ist. Somit stehen dem Motorradfahrer zwar Komfortfunktionen aus der Autonavigation auch auf dem Bike zur Verfügung – TomTom hat, wie erwähnt, diesen Brückenschlag mit dem Rider 2nd Edition ebenfalls schon in die Wege geleitet. Das Konzept des Traffic Assist Z100 ist allerdings, wie Tests belegen, nur halbherzig zu Ende gedacht und ausgeführt worden. So reicht der Spritzwasserschutz nicht aus, um das Navi gegen Regen und Schnee zu schützen, und auch eine stabile, universell einsetzbare Halterung für das Navi fehlt noch. Die Routenplanung wiederum ist nur am Gerät möglich, die Trackaufzeichnungen wiederum gar nicht. Das Auto-Motorrad-Navi eignet sich deswegen hauptsächlich für Gelegenheitsfahrer, die sich kein teures Spezial-Motorradnavi zulegen möchten – zudem das Z100 mit einem „Kampfpreis“ von knapp 300 Euro, der deutlich unter dem eines Spezialnavis liegt, ausgesprochen attraktiv ist.

Garmin GPSMap 60Cx/ 60CSx

Garmin GPSMap 60Cx/ 60CSx

Aufgrund ihrer Wetterfestigkeit und Robustheit setzen viele Motorradfahrer seit jeher auch Outdoor-Navigationssysteme ein. Beliebt ist zum Beispiel das Garmin GPSMap 60CSx, ein klassisches Handheld aus dem Outdoor-Bereich. Outdoor-Navis können mit topographischen Karten, manchmal, wie bei Magellan-Modellen, sogar mit Rasterkarten gefüttert werden, weswegen sie sich auch offroad eignen. Nachteil: Die Displays der Handhelds sind relativ klein, und auch die Sprachausgabe-Funktion fehlt. Weitere Pluspunkte hingegen sind die Ausstattung mit beispielsweise Barometer oder Höhenmesser sowie die Möglichkeit zum Routenimport/-export sowie zur Aufzeichnung von Wegstrecken.

Garmin Colorado 300, Oregon 300, Oregon 550, Magellan Triton 2000

Garmin Colorado 300, Oregon 300, Oregon 550, Magellan Triton 2000

Neuere Modelle wie zum Beispiel das Garmin Colorado 300, die Oregon-Serie von Garmin oder Navis von Magellan wie das Triton 2000 haben den Touchscreen in die Welt der Outdoor-Navis eingeführt. Je nach Größe des Displays können diese Navis also leichter auf dem Motorrad bedient werden. Spannend ist auch die Frage, ob und wie sich das erste Routing-fähige Outdoornavigationssystem, das MyNav 600 Professionell, auf dem Motorrad schlagen wird. Das Navi schließt gezielt die Lücke zwischenOutdoor- und Straßennavis und zielt darauf ab, das Beste aus beiden Welten in einem Gerät zu verknüpfen.

Handys/Smartphones

Erst seit jüngster Zeit bieten Navigationssoftware für Handys und Smartphones Routenführung per Sprachausgabe an – ein Feature, das Outdoor-Navis verwehrt ist. Vorteil: Viele Handys besitzen auch ein integriertes Bluetooth-Modul und übertragen die Sprachansagen kabellos an ein Headset. Die Kombination Handy/Smartphone mit zum Beispiel der Software Nokia Maps 3.0 oder Navigon Mobile Navigator 7 ist deshalb eine interessante Alternativlösung zu einem Outdoor-Navigationssystem, zumal die Geräte auch meistens robust genug sind, um Erschütterungen auf dem Motorrad unbeschadet zu überstehen. Einzig und allein in puncto Wasserfestigkeit muss den Handys/Smartphones für den Motorradeinsatz mittels Schutzhüllen aufgeholfen werden.
Einen ausführlichen Ratgeber zum Thema Handy-Navigationssoftware finden Sie hier.