Traffic Message Chanel, kurz TMC genannt, ist bei vielen aktuellen Navigationssystemen eine gefragte Funktion zur Unterstützung der reinen Routenberechnung auf der Basis des gespeicherten Kartenmaterials. Der Dienst ermöglicht die Umfahrung von Verkehrsstaus oder anderer Behinderungen auf der Straße aufgrund aktueller Verkehrsnachrichten und sorgt damit für eine verbesserte Routenführung. Doch wie funktioniert TMC? Und vor allem: Wem nützt es?

Vorteile - Antennenmodelle - Daten-Aktualität/TMCpro - Lohnt sich TMC(pro)? - Zukunftsprojekte

Technisch funktioniert TMC über Informationen zur aktuelle Verkehrslage, die in Form codierter, unhörbarer Meldungen über Radiosender digital ausgestrahlt und mit einem entsprechenden Modul im Navigationssystem empfangen und entschlüsselt werden. Auch einige GPS-Geräte und Autoradiomodelle können die TMC Signale empfangen und geben die Informationen an ein angeschlossenes Navi weiter. PDAs / PNAs sind über ein so genanntes GNS FM9-Kabel für TMC nachrüstbar. Der TMC-Service wird in vielen europäischen Ländern ausgestrahlt und ist kostenlos. Grundlage der Meldungen sind Verkehrsinformationen der Polizei, der Feuerwehr und des ADAC. Aber auch Verkehrskameras sowie ortsfeste Messanlagen steuern Daten bei.

Vorteile von TMC: dynamische Routenführung

TMC wird mit einer Frequenz von etwa 10 Meldungen pro Minute ausgestrahlt. Er hält deswegen das Navigationssystem beziehungsweise dessen Benutzer öfter über die Verkehrssituation auf dem Laufenden als der herkömmliche Verkehrsfunk. Die Navigationssysteme nutzen die einlaufenden Informationen zur dynamischen Routenführung. Dies bedeutet, dass die anhand des Kartenmaterials zu Anfang berechnete Route bei auftretenden aktuellen Verkehrsbehinderungen von der TMC-Software automatisch geändert und eine Alternativrouten zur Umfahrung der Störung berechnet wird. Im besten Falle spart sich der Fahrer dadurch viel Zeit, Geld und Nerven.

Unterschiedliche Antennenmodelle

Zu einem wichtigen Kriterium für den Kauf eines TMC-fähigen Navis wird immer häufiger die Art der Antenne. Hauptsächlich ältere und günstigere Navigationssysteme verwenden für den TMC-Empfang separate Wurfantenne. Sie müssen im Auto zum Beispiel an der Windschutzscheibe angebracht werden und führen zu einem unschönen Kabelsalat auf dem Armaturenbrett.

Einige Hersteller sind daher dazu übergegangen, die TMC-Antenne zusammen mit dem Stromkabel in einer einzigen Kabelführung unterzubringen. Der Navi-Hersteller Becker wiederum hat sogar eigens eine Antenne in Bügelform entwickelt, die unauffällig direkt hinter dem Navigationssystem an der Halterung angebracht wird. Der Einsatz der Bügelantenne ist dabei nicht auf Becker-Navis beschränkt, sondern kann auch für Modelle anderer Hersteller verwendet werden.

Alle drei Antennenformen bieten in der Regel einen guten TMC-Empfang. Einige Hersteller, die auf Antennen in Kombination mit dem Stromkabel setzen sowie auch Becker bieten aber im Lieferumfang zur Sicherheit noch eine Wurfantenne für den Einsatz in empfangsschwachen GebietenGebieten an. Für einen optimalen Empfang empfiehlt es sich, das Navi an die Außenantenne des Autoradios anzuschließen.

Aktualität der TMC-Daten – Verbesserter TMC-Pro-Dienst

TMC-Meldungen sind in der Regel zwischen 20 und 40 Minuten alt. Gerade bei kleineren Staus kann es daher vorkommen, dass die Verkehrsbehinderung bei der Ausstrahlung der Meldung bereits veraltet ist. Mehr Aktualität verspricht das System TMC Pro. Die Verkehrsdaten werden hier nicht – wie bei der Polizei oder dem ADAC – erst mit Verzögerung weitergegeben. Stattdessen wertet der Dienst einen beständigen, automatisch erfassten Datenstrom von verschiedenen Sensoren mittels komplexer Rechentechniken aus. Übermittlungsfehler oder Irrtümer, die bei dem rein „menschlich“ erzeugten TMC-Dienst möglich sind, sollen dabei ebenfalls ausgeschlossen werden.

Im Einsatz für den TMC-Pro-Service sind etwa 4.000 Sensoren auf Autobahnbrücken, 5.500 in die Fahrbahn eingelassene Sensorschleifen sowie 10.000 Fahrzeuge, die ständig via SMS ihre Positionsdaten an die Zentrale übermitteln (Floating-Car-Data-Technologie). Die Analyse der Daten erfolgt auch mittels Wahrscheinlichkeitrechnung, wodurch TMC Pro Stauprognosen und statistisch ermittelte Angaben über die voraussichtliche Länge, die Dauer und den Abbau der Verkehrsbehinderung geben kann. Die Anzahl der Meldungen ist mit etwa 25 pro Minute deutlich höher als bei TMC. Durch die regionale Verbreitung – vor allem in Stoßzeiten wie zum Beispiel in der Urlaubszeit – ist TMC Pro außerdem stabiler als TMC.

Die Meinungen über die Treffsicherheit der Vorhersagen gehen allerdings derzeit noch auseinander. Gesicherte Untersuchungsergebnisse liegen leider noch nicht vor. Tendenziell scheint aber TMC Pro doch genauere Ergebnisse zu liefern als TMC und insbesondere Stauenden zügiger zu melden. Als größter Nachteil des TMC Pro gilt aber weiterhin, dass das von T Systems Traffic entwickelte und über private, regionale Radiosender vertriebene TMC Pro kostenpflichtig ist. Die Kostenabrechnung erfolgt jedoch nicht direkt mit dem Benutzer des Navigationssystems. Stattdessen geben die Hersteller die Nutzungsentgelte über einen höheren Kaufpreis für TMC-Pro-fähige Navis oder Navigationssoftware indirekt an die Kunden weiter – oder verzichten aus Werbezwecken sogar ganz darauf.

Lohnt sich die Investition in TMC / TMC Pro?

Die schwankenden Urteile über die Vor- und Nachteile beider TMC-Dienste lassen zumindest momentan noch keine abschließende Aussage darüber zu, ob sich der Kauf eines TMC-Pro-fähigen Navis wirklich lohnt. TMC-Pro ist noch nicht sehr weit verbreitet und die Software meistens nur in die teuren Top-Modelle der einzelnen Hersteller eingebaut. Bei den günstigeren Navigationssystem jedoch wird das TMC-Modul zunehmend zur Regel und zu einem Verkaufsargument bei vielen Autofahrern - trotz des höheren Anschaffungspreises. Lediglich bei extrem preisgünstigen Geräte muss man auf die Zusatzfunktion verzichten.

TMC wie TMC Pro sind für Vielfahrer aber auf jeden Fall in der bestehenden Form heute schon grundsätzlich eine bedenkenswerte Option beim Navi-Kauf. Unfälle, Staus und Baustellen werden zügiger und genauer als im Verkehrsfunk gemeldet, TMC Pro zum Beispiel soll die Information binnen von neun Minuten an das Fahrzeug übermitteln. Bei den vorgeschlagenen Alternativrouten zur dynamischen Stau-Umfahrung wiederum ist oft Zurückhaltung angebracht. Gerade in Ballungsgebieten droht auf den Ausweichstrecken schnell ein neuer Stau, da sich die Routenberechnungen der Navis sehr ähneln. Einige Fachleute raten deshalb dazu, lieber die ursprünglich berechnete Streckenroute beizubehalten und eine Wartezeit im Stau zu riskieren, anstatt die Navigationssystem dem Navi zu überlassen.

Zukunftsmusik: Einige Pilotprojekte

Da Aktualität beziehungsweise „Echtzeit-Navigation“ in Zukunft ein zentraler Qualitätsausweis für ein Navi darstellen wird, arbeiten die Hersteller ständig an der Verbesserung vor allem des TMC-Pro-Service. Zur Zeit erprobt etwa T Systems die Auswertung anonymisierter Positionsdaten von Mobilfunkgeräten, von deren Bewegungsraster und Dichte man sich Aufschluss über mögliche Staus verspricht. In anderen Pilotprojekten wiederum werden aktuelle Daten von Taxis aufgezeichnet und ausgewertet, um TMC Pro in Großstädten noch exakter zu machen.

Ein Zukunftsprojekt ist auch die direkte „Car-to-Car-“ Kommunikation zur aktuellen Verkehrssituation in Echtzeit über WLAN-Netzwerke, das eine zentrale Steuerung überflüssig und das System billiger machen würde. Ein Pilotprojekt soll 2008 in Frankfurt a.M. starten. Sie sehen: Die Weiterentwicklung der Verkehrsinformation-Dienste ist ständig im Fluss, und es ist jetzt schon sicher, dass sie die Zukunft der Navigationssysteme maßgeblich mitbeeinflussen wird.