Zwar kann der Motorradfahrer die Routenplanung getrost dem Navi überlassen, wenn es allein um die Zielführung von A nach B geht. Ein großes Manko der meisten Motorrad-Navis ist aber nach wie vor, dass sie kaum dazu in der Lagen sind, „schöne“ Strecken für das Motorrad auszugeben.

Zwar besitzt jedes Motorrad-Navi eigens eine Funktion, die bei der Routenberechnung nur spezielle Motorradstrecken auswählt. In der Praxis, so zeigen viele Tests, führt dies aber jedoch häufig nur zu befriedigenden Ergebnisse, auch wenn der klassische Fehler älterer Navis, bei der Ausklammerung von Autobahnen keine Bundesstraßen mehr zu berücksichtigen, mittlerweile behoben wurde. Eine eigene Navi-Software nur für Motorradfahrer sucht man bei den gängigen Modellen nach wie vor vergebens. Obwohl dies technisch sicherlich leicht zu realisieren wäre, scheitert dies vermutlich daran, dass Motorrad-Navis im Vergleich zur Auto-Navigation nach wie vor eine Nische im Portfolio der Hersteller einnehmen.

Einen eigenwilligen Weg hat deshalb Garmin bei seinem neuesten Modell Zûmo 660 eingeschlagen. Das Motorrad-Navi wird zusammen mit einer microSD-Karte ausgeliefert, auf der rund 800 Motorradtouren aus ganz Europa aufgespielt sind. Die Touren selbst stammen aus dem bekannten und in Motorradfahrer-Kreisen beliebten Motorrad-Tourenplaner und führen über 200.000 Kilometer landschaftlich reizvoller Straßen.

So attraktiv dieser Zusatzservice auch sein mag, ziehen es die meisten Motorradfahrer immer noch vor, die Route zu Hause am PC vorab zu entwerfen. Mithilfe einer Navigationssoftware können anhand beliebig vieler Zwischenziele individuelle „Traumrouten“ mit ein paar Klicks auf der Karte zusammengestellt werden. Die Route kann anschließend ohne Probleme via USB auf das Navi exportiert werden.

MOTORRAD Tourenplaner

MOTORRAD Tourenplaner

Bei manchen Geräten lässt sich die geplante Route auch direkt über den Touchscreen des Navis erstellen. Diese Funktion bietet den Vorteil, Routenänderungen situationsabhängig auch unterwegs flexibel vornehmen zu können – etwa wenn das Wetter nicht so mitspielt wie erhofft. Trotzdem schwören die meisten Tourenfahrer auf die Routenplanung am PC, da hier detaillierte Karten mit topografischen Informationen zur Verfügung stehen, die mehr Gestaltungsspielraum für attraktive Touren geben. Außerdem erleichtert das größere PC-/Notebook-Display ähnlich einer Papierkarte den Gesamtüberblick.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, fertige Touren über Internetportale auf das Navi zu importieren – ein Service, den auch die Hersteller zur Kundenbindung einsetzen. Garmin zum Beispiel bietet eine eigene Website mit Tourenvorschlägen an. Außerdem können mit einem Zûmo-Navi die gefahrenen Strecke aufgezeichnet und der Internet-Community zugänglich gemacht werden. Einer immer größeren Beliebtheit erfreut sich dabei die Option, die Strecken gleichzeitig mit geocodierten Fotos (Aufnahmen mit GPS-Daten) zu illustrieren. Im Gegenzug können die Fotos auf Wunsch als Zielvorgaben für die Routenplanung beziehungsweise -berechnung genutzt werden („Foto-Navigation“).

Als attraktive Alternative haben sich in den letzten Jahren regelrechte Community-Seiten im Internet etabliert, auf denen Motorradfahrer Routen gegenseitig diskutieren und austauschen. Der Vorteil liegt auf der Hand. Die Routen sind meistens sehr gut ausgearbeitet, in der Praxis erprobt und mit Ratschlägen und Tipps gespickt – und laden zudem zu Entdeckungsfahrten auf den Spuren anderer Motorradbegeisterter ein.

Ein Sonderfall ist die Routenplanung und Navigation „offroad“. Denn sobald die Tour abseits befestigter Straßen führt, stößt die Routenführung an ihre technische Grenze. Die hausnummerngenaue Tourenplanung onroad ist auf Vektorkarten angewiesen, in denen wiederum nur das Straßennetz digital erfasst und damit für eine aktive Routenführung mit Abbiegehinweisen geeignet ist. Die Routingfunktion entfällt also, sobald es ins Gelände geht.

Hier ist der Motorradfahrer auf jeden Fall entweder auf eine vorher erstellte und als „Track“ auf das Navi aufgespielte Route oder auf die so genannte Luftliniennavigation angewiesen. Bei ihr wird zwischen Start und Ziel nur eine Verbindungslinie gezogen, wobei das Navi selbst nur die Richtung vorgibt. Die Wegsuche bleibt Aufgabe des Fahrers. Häufig kommen deshalb offroad, etwa auf Enduro-Maschinen, klassische Outdoor-Navis mit topographischen Karten oder im Idealfall sogar georeferenzierten Rasterkarten zum Einsatz. Außerdem erlauben diese Geräte in der Regel die Aufzeichnung der gefahrenen Strecken. Einige Motorradfahrer setzen sogar kleine Note- oder Netbooks sowie Tablets auf dem Motorrad zur Navigation ein. Diese bieten einen großen Kartenausschnitt, dazu sind Software nebst Karten auf einem einzigen Gerät installiert und die Routen müssen nicht exportiert werden. Für die Kartenverwaltung und die Import-/Exportfunktionen (auch zu einem PDA) wiederum haben sich Programme wie TTQV von Touratech, CompeGPS oder Fugawi etabliert. Eine sehr gute Marktübersicht bietet hier zum Beispiel ein Test des Computermagazins „c't“ (Ausgabe 25/2008).