Der zweite Teil unseres Ratgebers zu den Funktionen moderner mobiler Navigationssysteme widmet sich den Funktionen für Vielfahrer. Sie erweitern zum einen den Funktionsumfang des Navigerätes selbst oder bieten einfach ein Plus an Komfort bei der Navigation.

FM-Transmitter - Bluetooth - Sprachsteuerung - Kartendarstellung/3D - Rückfahrkamera - Fotonavigation - Reiseführer - Video-Navigation

04_m82nd_bildergalerieBei den Funktionen zur Geräteerweiterung handelt es sich um den FM-Transmitter sowie das Bluetooth-Modul. Die Sprachsteuerung hingehen dient gleichermaßen der Sicherheit wie dem Komfort, während die 3D-Darstellung der Navigation einen „fotorealistischen“ Touch verleiht, der zumindest von einem Teil der Autofahrer sehr geschätzt wird. Unter gewissen Umständen können Funktionen wie die Möglichkeit zum Anschluss einer Rückfahrkamera, die Fotonavigation sowie Reiseführer nützliche Spezialfunktionen sein. Die Video-Navigation wiederum weist möglicherweise in die Zukunft. Hinweis: Zu dem von Vielfahrern sehr geschätzten Stauinformationsdiensten TMC / TMC Pro steht Ihnen ein separater Ratgeber zur Verfügung (3).

FM-Transmitter: Über den FM-Transmitter werden Audiosignale über Funk an das Radio des Fahrzeugs weitergeleitet, weswegen bei Navis mit diesem Modul die Sprachansagen / Routenanweisungen über die Audio-Anlage erfolgen. Vorteil: Die Sprachqualität verbessert sich deutlich, da die Navi-Stimmen häufig „blechern“ klingen und die Geräte auch keine besonders hochwertigen Lautsprecher haben. Bei lauten Innenraumgeräuschen (Kinder, hohes Tempo) liegt der Vorteil meistens unmittelbar auf der Hand. Außerdem überträgt der FM-Transmitter auch Musik oder Telefongespräche an die Autolautsprecher. Nachteil: In einigen Fällen reagieren die FM-Transmitter ziemlich störanfällig auf benachbarte (Radio-)Frequenzen.

212082Bluetooth: Navis mit einem Bluetooth-Modul können als Freisprechanlage für das Mobiltelefon genutzt werden. Die Funktion ist nützlich, spart sie doch die Installation einer (ansonsten vorgeschriebenen) separaten Freisprechanlage. In Testberichten wird jedoch immer wieder hervorgehoben, dass die Sprachqualität häufig nicht mit der einer separaten Anlage vergleichbar ist und die Navis auch in puncto Komfortfunktionen nicht mithalten können. Die Funktion empfiehlt sich deshalb in der Regel nur für Wenigtelefonierer.

Sprachsteuerung: Die Zieleingabe per Sprache oder sogar die Steuerung des Navis per Sprachbefehle gilt als eine der zukunftsweisenden Navi-Funktion. Nach anfänglichen Schwierigkeiten – die Zieleingabe entpuppte sich wegen der häufigen Nachfragen des Navis als sehr mühsam – scheint die Sprachsteuerung mittlerweile sehr gut zu funktionieren. Das Navi filtert anhand seines „Wortschatzes“ aus den Spracheingaben des Fahrers die relevanten Schlagworte heraus.
Die Erfolgsquote soll dabei relativ hoch sein. Als Navis mit einer guten Sprachsteuerung gelten die Topmodelle von Garmin. Einige Hersteller geben sich damit jedoch nicht zufrieden und feilen an den Sprachfähigkeiten ihrer Navis. Die Geräte sollen zum Beispiel dazu in der Lage sein, ganze, umgangssprachlich formulierte Sätze oder vollständige Zieleingaben mit Stadt/Straße/Hausnummer zu verstehen (zum Beispiel Navigon 7310).

8410Kartenansichten/3D-Darstellung: Die räumliche Kartendarstellung wird von nicht wenigen Autofahrern als sehr hilfreich empfunden, da sie einen „realistischen“ Effekt beisteuert. Zur Anwendung kommen entweder simulierte 3D-Animationen des Geländes – nützlich vor allem im bergigem Terrain – oder die 3D-Einblendung markanter Gebäude/Sehenswürdigkeiten in Städten. Vorreiter und Klassenprimus der 3D-Darstellung sind Navis mit der Software iGo (Asus, Becker, Clarion). Einige Navis schalten auch automatisch vom 2D- in den 3D-Modus um, sobald sich das Fahrzeug einer komplizierten Kreuzung nähert. Die Ausweitung der 3D-Darstellung auf eine möglichst realistische Darstellung ganzer Straßenzüge inklusive Details, wie sie als erstes in Deutschland das Topmodell 8410 von Navigon anbietet, gilt als umstritten. Kritiker wie der ADAC befürchten, dass die 3D-Animationen die Aufmerksamkeit des Fahrers zu stark auf sich zieht. Trotzdem geht die Entwicklung weiter. Der Kartenhersteller Tele Atlas zum Beispiel hat vor kurzem 3D-Bilder vorgestellt, die in der Qualität von Fotos kaum mehr zu unterscheiden sind. Eine mögliche Alternative für den Einsatz der 3D-Navigation sind Head-up-Displays, bei denen die Streckeninformationen direkt auf die Windschutzscheibe in das Sichtfeld des Fahrers projiziert werden.

Rückfahrkamera: Einige Navigationssysteme biete die Option an, eine oder mehrere Rückfahrkameras an das Gerät anzuschließen. Besonders auf Navis mit einem großen Display (4,3 Zoll und mehr) ist diese Option sehr hilfreich und empfiehlt sich für Besitzer von Kombi, SUVs, Vans oder für Caravans.

Fotonavigation: Die Möglichkeit, Fotos direkt zur Navigation einzusetzen, findet wegen des gleichzeitigen Boom der Fotosharing-Communities à la Flickr immer mehr Anklang. Das Navi liest dabei die so genannten Geodaten aus, die auf Digitalfotos abgespeichert sind. Diese Daten dienen dann unmittelbar als Zieleingabe. Besitzt das Navi außerdem die Fähigkeit zur Streckenaufzeichung, können die gefahrenen Routen im nachhinein am PC mit den während der Fahrt geschossenen Bildern illustriert werden.

Merian_Scout Navigator

Merian_Scout Navigator

Reiseführer: Die bekanntesten Navis mit integrierten Reiseführern sind die Navigator-Serie von Merian und die Navis von Falk. Erstere entwickeln, wie auch Tests immer wieder betonen, während der Fahrt wahre Entertainment-Qualitäten, da sie prall gefüllt sind mit multimedial aufbereiteten Reiseinformationen, darunter Audioguides und Sprachführer. Ähnliches gilt für die Navis von Falk, die quasi digitalisierte Ausgaben der bekannten „Marco Polo Reiseführer“ des Herstellers sind. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Option der beiden Hersteller, für beliebte europäische Reiseregionen und Städte spezielle Führer erwerben zu können.

Travel Pilot 700 mit Videokamera

Travel Pilot 700 mit Videokamera

Video-Navigation: Seit Ende 2008 liegen mit den Travel-Pilot-Modellen 500 und 700 von Blaupunkt die ersten Navis mit integrierter Video-Navigation vor. Eine in das Navi eingebaute Videokamera filmt unmittelbar während der Fahrt die Strecke und blendet dieses Aufnahmen auf dem Display ein. Gleichzeitig „liest“ die Videokamera Verkehrszeichen und blendet diese als zusätzliche Streckeninformation auf dem Bildschirm ein. Die Funktion ist auf ein breites Interesse gestoßen, weil sie in gewisser Hinsicht die Bemühungen um eine 3D-Darstellung perfektioniert. In Praxistests hat sich allerdings gezeigt, dass die Videonavigation noch nicht ausgereift ist. Kritikpunkte sind zum Beispiel die starre Einblendung des Videobildes, die dazu führt, dass sich die Navigationspfeile nicht notwendig mit dem Straßenbild decken. Auch bei der Erkennung der Verkehrsschilder ist die Erfolgsquote noch nicht sehr hoch und zum Teil gefährliche Irrtümer des Systems nicht auszuschließen. Außerdem ist die Funktion nachts nutzlos.