Viele Navigationsgeräte sind mittlerweile mit Internet-Features ausgestattet. Dies hat Vorteile für den Anwender. So genannte Commuity-Funktionen und Live-Dienste helfen dabei, das Kartenmaterial fortlaufend auf dem neuesten Stand zu halten. Außerdem gibt es Funktionen, die die Routenberechnung verbessern. Mit einem direkten/indirekten Draht ins Internet schließlich kommen Informationen quasi in „Echtzeit“ auf das Navigationsgerät.

Unter dem Begriff „Community“ sind hier alle Navifunktionen versammelt, die auf die aktive Mitarbeit der Anwender setzen. Das Grundprinzip ist dabei immer dasselbe: Navibesitzer geben ihre Erfahrungen entweder in direkter Form oder indirekt an die Hersteller weiter, die sie wiederum sammeln, prüfen und dann anschließend allen Anwendern wieder zugänglich machen. Vom regen Informationsaustausch über Community-Features wie HD-Traffic, IQ-Routes, Lernende Navigation/MyRoutes sowie Map Share profitieren also alle Navibesitzer gleichermaßen. Sie werden von den so genannten Live-Features, die (Straßen)-Informationen in Echtzeit versprechen, oder durch einen Internetzugang perfekt ergänzt.

HD-Traffic: HD-Traffic nennt sich ein Service-Dienst des Naviherstellers TomTom, der nichts weniger verspricht als eine aktuelle Stau- und Straßeninformation. Das Neuartige des Dienstes besteht darin, dass TomTom die Daten von Handy-Besitzern zur Ermittlung von Staus einsetzt. Der Hersteller kooperiert dafür mit dem Mobilfunk-Anbieter Vodafone, der die Bewegungsmuster von Autofahrer-Handys ermittelt und diese an TomTom weiterleitet. Ihre Auswertung erfolgt zusammen mit Daten, die vom Staudienst TMCPro stammen, sowie mit Daten, die TomTom aus dem Bereich des Flottenmanagements, also zum Beispiel von Spediteuren bezieht sowie mit historischen Daten, die der Hersteller in den letzten Jahren fleißig gesammelt hat. Letztere geben Auskunft über die typische Verkehrsdichte an bestimmten Wochentagen oder zu den verschiedenen Tageszeiten. Das Gesamtergebnis sind sehr akkurate Angaben über aktuelle Staus sowie als Ergänzung Prognosen über die voraussichtliche Dauer des Staus. Der kostenpflichtige Zusatzdienst HD-Traffic hat sich in mehreren Praxistest bereits bewährt. - Einen Test der Funktion durch die Stiftung Warentest finden Sie unter folgenden Links: Testfazit.

TomTom TomTom One IQ Routes

TomTom TomTom One IQ Routes

IQ-Routes: Ebenfalls von TomTom stammt die Funktion IQ-Routes (One IQ Routes, XL IQ Routes, One IQ Routes Traffic). Der Dienst ähnelt in seiner Funktionsweise dem Stauservice HD Traffic, bezieht sich allerdings allein auf die Routenberechnung. TomTom wertet dafür seit längerer Zeit Daten von TomTom-Nutzern aus, die ihre gefahrene Strecken an den Hersteller übermittelt haben. TomTom ermittelt aus ihnen statistische Informationen über die zu erwartende tatsächliche Verkehrsdichte auf der geplanten Route. So berücksichtigt das Navi zum Beispiel nicht die im Kartenmaterial abgespeicherte theoretische Höchstgeschwindigkeit eines Streckenabschnittes, sondern zieht die realistischeren Geschwindigkeitsprofile aus dem Fundus von IQ-Routes heran. Die Funktion bringt vor allem Autofahrern, die häufig im Berufsverkehr unterwegs sind, einen großen Vorteil, da das Navi typische neuralgische Streckenabschnitte vermeidet. Tests haben der Funktion IQ-Routes sogar Insider-Wissen über „Schleichwege“ bescheinigt, das eigentlich nur Ortsansässige besitzen.
lernende_navigation_stepsLernende Navigation/My Routes: In gewisser Hinsicht ist die „lernende Navigation“, die die Hersteller Falk und Navigon ihren Geräten zusprechen, eine Weiterentwicklung von IQ-Routes. Die Navigationssysteme berücksichtigen nämlich auch historische Daten über die tatsächliche Verkehrsdichte in Abhängigkeit von Wochentag und Uhrzeit. Zusätzlich zu diesen Daten „lernen“ die Navis aber auch von ihrem Fahrer. Diese können zum einen Korrekturen an den vorgeschlagenen Routen vornehmen, die das Gerät dann bei der nächsten Berechnung berücksichtigt. Zum zweiten „beobachtet“ oder genauer: registriert das Navi selbstständig das Fahrverhalten seines Besitzers und zieht daraus Schlüsse auf einen „Fahrertyp“. Das sich daraus ergebende persönliche Profil kommt ebenfalls der Routenberechnung zugute.

map-shareMapShare: Trotz regelmäßiger, meistens vierteljährlicher Kartenupdates der Hersteller ist das Kartenmaterial eines Navis nie auf dem allerneuesten Stand. Die Straßenlandschaft in Deutschland verändert sich nämlich dafür zu schnell. Mit dem Map-Share-Service erhöht sich die Aktualität der Karten. Der Navi-Hersteller TomTom hat vor einigen Jahren den Karten-Service „Map Share“ ins Leben gerufen, dessen dahinter stehende Idee bestechend ist. Besitzer von TomTom-Navis haben die Möglichkeit, aktuelle Kartenänderungen oder Fehler an den Hersteller zu melden. TomTom wiederum sammelt und prüft die Informationen und gibt sie anschließend an alle TomTom-Gerätebesitzer weiter. Diese Updates erfolgen in einem schnelleren Rhythmus als die Karten-Updates und sind in der Regel sehr genau, weil sie auf konkreten Erfahrungen vieler Autofahrer beruhen.

Internet-/„Live“-Funktion: Der Internetzugang für mobile Navigationssysteme steckt noch in den Kinderschuhen. Bis dato ist die Anzahl an Geräten mit dieser Funktion noch relativ gering. Insbesondere Navis mit einem integrierten WLAN-Modul sind nicht viele auf dem Markt (Beispiel: MyGuide m.i.more 4338, Clarion Mind, Blaupunkt Travel Pilot 700). Die Nutzung des WLAN-Moduls ist außerdem nur über so genannte Hot Spots möglich, also nicht flächendeckend.

Vielversprechender und auch zukunftsträchtiger ist der Weg über ein integriertes Mobilfunk-Datenmodul mit SIM-Karte, wie sie neuerdings die TomTom "Live"-Geräte besitzen (Go 740 Live, Go 940 Live, XL Live IQ Routes). Über das Modul baut das Navi eine Verbindung ins Internet auf. Zur Live-Funktion, die übrigens kostenpflichtig ist, gehören der HD-Traffic-Dienst sowie der Zugriff auf Echtzeit-Informationen über das Wetter, Straßenverhältnisse oder tagesaktuelle Tipps, etwa zu Veranstaltungen, abgerufen werden können.

Mio Spirit V735

Mio Spirit V735

Das Top-Modell von Mio wiederum, das Spirit V735, kann über ein Mobiltelefon einen Draht ins Internet aufbauen und von dort Daten abrufen. Über den Dienst lassen sich in Kombination mit aktuellen Positionsdaten von Google Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungen und ähnlichem als lokale Erweiterung der internen POI-Sammlung des Navis abrufen – und natürlich auch Fotos von Community-Seiten wie Flickr.com für die Fotonavigation (Local Search Funktion). Dabei sollte man allerdings beachten, dass bei jedem Besuch im World Wide Web Kosten anfallen, weswegen je nach Nutzungsverhalten die Wahl eines entsprechenden Datentarifs zu empfehlen ist.