Winterreifen: Der Sicherheit zuliebe

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Stiftung Warentest

Quelle: Stiftung Warentest

Das Spiel wiederholt sich jedes Jahr. Sobald die Tage länger und kühler werden, stellt sich vielen Autofahrer die Frage nach einem Wechsel von Sommer- auf Winterreifen. Lange Zeit war dieser nicht vorgeschrieben, sondern wurde nur empfohlen. Dies ist nun anders, und das aus gutem Grund: Winterreifen bieten nicht nur bei Schnee mehr Grip. Auch auf nassen Fahrbahnen oder bei Schneematsch verkürzen sie gegenüber Sommerreifen den Bremsweg und bieten mehr Traktion.

Gesetzliche Vorschriften - Bußgeld/Versicherungsschutz - Vorteile - Kennzeichnung - Vorsicht! - Internetlinks

Gesetzliche Vorschriften

„Bei Kraftfahrzeugen ist die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse anzupassen.“ So lautet der zentrale Passus in der Straßenverkehrsordnung (§2 Abs. 3a StVo). Entsprechend verblieb die Verantwortung lange Zeit beim Autofahrer, viele wechselten daher nie den Reifen. Seit dem 4. Dezember 2010 ist die Regelung jedoch schärfer geworden: So darf entsprechend - unabhängig von der Jahreszeit - bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Reif- oder Eisglätte nur noch mit Reifen gefahren werden, welche die Vorgaben für die M+S-Kennzeichnung erfüllen. Bei Kontrollen droht ansonsten ein Bußgeld. Soweit, so klar. Erstaunlicherweise müssen die Reifen aber nur die entsprechenden Vorgaben erfüllen, nicht aber konkret das M+S-Zeichen führen, was zu einem gewissen Gummiparagrafen führt, dessen Auslegung je nach Situation weiterhin unterschiedlich ausfallen kann. So ist mittlerweile zwar klar, WANN Winterreifen aufgezogen sein müssen, nicht aber, WIE sie genau auszusehen haben.

Bußgeld und Versicherungsschutz

Wird man von der Polizei ohne ausreichende Winterausrüstung angetroffen oder verursacht sogar einen Unfall, kann diese ein Bußgeld verlangen. Die Höhe liegt bei nunmehr 40 Euro, im Fall, dass eine Gefährung des Straßenverkehrs vorliegt, sogar bei 80 Euro. Wird mit Sommerreifen ein Unfall verursacht, kommt noch ein Punkt in Flensburg dazu.

Autoversicherer ersetzen Unfallschäden meist auch dann, wenn der Unfall mit Sommerreifen verursacht wurde. Uneingeschränkt gilt dies jedoch nur für die Haftpflichtversicherung. Bei einer Vollkaskoversicherung könnte es sein, dass man für etwaige Schäden mitverantwortlich gemacht wird (höheren Haftungsanteil). Eventuell erlischt der Kasko-Schutz sogar vollständig. Eine einheitliche Richtlinie gibt es dafür nicht.


Stiftung Warentest

Quelle: Stiftung Warentest

Vorteil: Winterreifen

„O bis O“-/7-Grad-Regel: Eine leicht zu merkende Regel besagt, dass Winterreifen am besten von Oktober bis Ostern aufgezogen werden. Ab Oktober steigt nämlich die Wahrscheinlichkeit, dass die Temperaturen unter sieben Grad fallen - und dies galt lange als die unterste Grenze, bis zu der Sommerreifen gefahren werden sollten; bei Breitreifen lag sie sogar schon bei 10 Grad. Mittlerweile ist diese Regel jedoch obsolet geworden, neuere Tests zeigen bei Temperaturen oberhalb von 0 Grad Celsius fast durchweg bessere Laufleistungen von Sommerreifen. Bei aufkommender Feuchtigkeit jedoch ändert sich das drastisch. Dann verlieren sie drastisch an Grip. Winterreifen dagegen bestehen aus einer besonderen thermo- beziehungsweise kälteelastischen Gummimischung, die auch bei Kälte weich genug bleibt, um auf feuchten Strecken den Bremsweg erheblich zu reduzieren. Winterreifen sind daher nicht allein für den Einsatz auf Schnee gedacht. Sie sind auch auf nasser/matschiger Fahrbahn sicherer.

In regelmäßig im Herbst veröffentlichten Tests werden Winterreifen deswegen sowohl auf ihr Verhalten bei Schnee, Nässe/Matsch sowie auf trockener Fahrbahn geprüft. Im Mittelpunkt steht dabei das Leistungsvermögen auf Schnee. Aber auch Aquaplaning und der auf trockener Fahrbahn meist etwas längere Bremsweg sind ein wichtiges Qualitätskriterium. Aus den Testergebnissen lässt sich dann der optimale Reifen für eine Region bestimmen. Besonders schneesichere Reifen sind für höher gelegene oder gebirgige Regionen wie zum Beispiel in den Mittelgebirgen oder im Voralpenland zu empfehlen. Reifen, die ihre Stärke eher bei Nässe ausspielen, sind dagegen in tiefer gelegenen, schneeärmeren Regionen optimal.
Renommierte Winterreifen-Tests veranstalten zum Beispiel der ADAC und Stiftung Warentest. Aber auch große Autofachzeitschriften wie „auto motor sport“, „Auto Bild“, "Autostraßenverkehr" oder "Auto Zeitung" testen regelmäßig im Herbst die aktuellen Winterreifen-Modelle.

Kennzeichnung

Winterreifen sind an dem Symbol „M+S“ (Matsch und Schnee, engl. Mud and Snow) beziehungsweise einer stilisierten Schneeflocke (wird erst nach einer Prüfung vergeben) zu erkennen. Letztere wurde eingeführt, da auch winteruntaugliche Reifen mit dem Symbol M+S gekennzeichnet werden dürfen. Bei Reifen mit der Schneeflocke vor einem Berg handelt es sich dagegen um Winter- und Ganzjahresreifen, die ein Mindestmaß an Brauchbarkeit bei Eis und Schnee gewährleisten.

Vorsicht!

Leider ist das M+S-Zeichen nicht geschützt. Es kommt daher immer wieder vor, dass Billigreifen ungerechtfertigterweise mit dem Zeichen ausgestattet und als „Winterreifen“ deklariert werden. Auch Geländereifen tragen es häufig, sind jedoch ebenfalls keine Winterreifen. Beim Kauf sollte daher auf das charakteristische Kennzeichen eines Winterreifens, die Lamellen, geachtet werden. Die kleinen Einschnitte in den Blöcken des Laufflächenprofils sind es nämlich, die einen Reifen erst wintertauglich machen. Durch sie „verzahnt“ er sich förmlich mit dem Schnee und sorgt damit für eine deutlich höhere Traktion/Zugkraft sowie einen kürzeren Bremsweg.

Apropos: Ein Satz Schneeketten im Kofferraum und Sommerreifen an den Achsen gilt weder juristisch noch sicherheitstechnisch als eine vorgeschriebene „geeignete Bereifung“ im Sinne der StVo! Das Gesetz schreibt aber vor, dass zu einer Winterausrüstung „Frostschutzmittel in der Scheibenwaschanlage“ gehört. Und zu guter Letzt: „Gucklöcher“ in vereisten Scheiben machen weniger Mühe als das komplette Freikratzen. Sie sind aber wie Schnee auf dem Dach verboten - und können den Versicherungsschutz kosten.

http://www.pro-winterreifen.de: Rundum-Informationen über Winterreifen, informative Auflistung sämtlicher Winterreifenprofile, Wissenswertes und auch Unterhaltsames zum Thema. Mit Forum, Newsletter und aktuellen Nachrichten
http://www.reifentest.com: Unabhängige Verbraucherplattform für die Beurteilung von Reifen im Internet mit ausgefeilter Suchmaske
http://www.adac.de: Die Stichwortsuche liefert gleich mehrere Treffer - etwa zu aktuellen Tests, Fragenkatalogen oder News. Dies gilt auch für die Seite
http://test.de der Stiftung Warentest.

Autor: Wolfgang