Runflat-Reifen: Fahrstabilität bei plötzlichen Defekten

Seitdem die gesetzliche Vorgabe zum Mitführen eines Reserverades weggefallen ist, sind Reifenpannen umso ärgerlicher. Denn nicht wenige Autos werden mittlerweile ohne Ersatzrad verkauft; viele Nutzer vertrauen auch auf die Statistiken, die von einem konstanten Rückgang solcher Pannen sprechen. Zudem sollen kleine Lecks mit Spezialschaum abdichtbar sein. Bei einem echten Reifenplatzer hilft das indes wenig – von dem plötzlichen Verlust der Fahrstabilität einmal ganz abgesehen. Und um die muss man sich viel mehr Sorgen machen.

Vielgestalte Herstellerkürzel als Code

Eine relativ neue Entwicklung sind in dieser Hinsicht sogenannte Runflat-Reifen, die noch unter einem halben Dutzend anderer Bezeichnungen bekannt sind (Notlaufsysteme, Notlaufreifen, Run-Flat-Reifen, RunOnFlat-Reifen). Auch die Herstellerkürzel sind vielgestalt: ROF, RFT, EMT (Extended Mobility Tire), RSC (Runflat System Component), SSR (Self-Supporting Runflat Tire), ZP (Zero Pressure), DSST (Dunlop Self Supporting Technology), BSR (Bridgestone Support Ring) oder PAX (Michelin Stützring).

Viele verschiedene Konstruktionen

Die grundsätzliche Konstruktion kann sich entsprechend bei Runflat-Reifen stark unterscheiden. In der Realität haben sich aber zwei wesentliche Systeme herausgebildet: Die Notlaufeigenschaften werden entweder durch verstärkte Seitenwände oder einen Stützring auf der Felge erzielt. Beide sollen ein zu starkes Abplatten des Reifens verhindern und somit die Lenk- und Bremskraftübertragung sicherstellen. Darüber hinaus verhindert ein spezieller Felgenhorn ein Abspringen des beschädigten Reifens von der Felge.

Fahrstabilität auch bei abrupten Vorkommnissen

Der Hauptvorteil von Notlaufsystemen liegt somit in der Fahrstabilität, die auch bei einem abrupten Reifenschaden erhalten bleibt. Ein plötzliches Verreißen der Lenkung und ein Abkommen von der Fahrbahn mit allen seinen fatalen Folgen sind damit deutlich unwahrscheinlicher. Zudem kann die Fahrt mit verringerter Geschwindigkeit bis 80 km/h für Strecken zwischen 80 und 300 Kilometern fortgesetzt werden. Darüber hinaus wird durch den Wegfall des Reserverades Gewicht und damit Sprit gespart.

Runflat-Reifen haben auch ihre Nachteile

Die Nachteile sollen allerdings nicht verschwiegen werden. Zum einen sind Runflat-Systeme allesamt sehr teuer, auch wenn immer mehr Autohersteller ihre neuesten Fahrzeugtypen der höheren Preisklassen ab Werk mit einem solchen System ausstatten. Dies ist insbesondere deshalb sinnvoll, da der Gesetzgeber zwingend ein integriertes Luftdruck-Kontrollsystem vorschreibt, schließlich sind die Reifen derart ausgelegt, dass der Fahrer bei normalen Geschwindigkeiten unter Umständen nicht einmal etwas von dem Schaden mitbekommt. Die Nachrüstung eines solchen Systems schlägt ansonsten mit zusätzlichen Kosten zu Buche.

Autor: Janko