Kindersitze: Messbare Erfolge beim Seitenschutz

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Tests zu i-Size-Kindersitzen überwiegend positiv – einige Resultate besorgniserregend

Wenn Ihre Kinder in Sicherheit aufwachsen sollen, kann ein Kindersitz der Kategorie „i-Size“ grundsätzlich dienen. Im gemeinsamen Test mit dem ADAC hat die Stiftung Warentest eine ganze Reihe von i-Size-Kindersitzen als sicher identifiziert und insbesondere zwei Modelle besonders hervorgehoben: Zum einen den Kiddy Evoluna i-Size für Babys bis 83 cm, zum anderen den BeSafe iZi Flex Fix für größere Kinder bis 150 cm. Waren i-Size-Sitze noch die Ausnahme im Markt, produzieren immer mehr Hersteller i-Size-Sitze (ECE R129 mit Einteilung nach Körpergröße), die Kinder bis zum Alter von 15 Monaten verpflichtend rückwärtsgerichtet transportieren – so, wie es in skandinavischen Ländern seit Längerem selbstverständlich ist. Aber auch ältere Kindersitze sind gut, darauf weisen die Prüforganisationen regelmäßig hin. Besitzen Sie beispielsweise einen der klassischen Kindersitze nach alter ECE-Zulassung (ECE R44/04 mit Einteilung nach Körpergewicht), müssen Sie weder einen neuen Sitz kaufen noch um die Sicherheit Ihres Schützlings fürchten. Die Schlüsselkriterien für einen guten Kindersitz sind unverändert geblieben: Tester begutachten vor allem die Unfallsicherheit bei Front- und Seitenaufprall, Handhabung, Ergonomie und Schadstoffe. i-Size-Kindersitze ohne Isofix sind nicht weniger vertrauenswürdig als Sitze mit fester Verbindung zur Fahrzeug-Karosserie – auch das ist eine insgesamt positive Erkenntnis aus den Prüfreihen der Stiftung Warentest. Einige Testversager bringt i-Size aber dann doch hervor. Vor allem Schadstoffe treiben diese Sitze in den Bewertungskeller – aber auch eklatante Mängel wie eine gerissene Gurthalterung, die dem Concord Ultimax i-Size für Kinder bis vier Jahre ein „Mangelhaft“ bescherte.

I-Size-Kindersitz Maxi-Cosi AxissFix Air In einem i-Size-Kindersitz der Kategorie bis 105 cm können Sie viel Geld unterbringen. Der Maxi-Cosi Axissfix Air mit integriertem Airbag kostet rund 650 Euro, gehört allerdings zu den Modellen mit gutem Unfallschutz. Laut Tabellen der Stiftung Warentest geht es auch deutlich günstiger. (Bildquelle: maxi-cosi.com)

i-Size als Erfolgsmodell in Phase 1 und 2 – Phase 3 folgt ab 2019 für i-Size ohne Isofix

So wenig die neue Regelung das alte Verwirrspiel um Normgruppen, Isofix-Zulassungen und ECE-Vorschriften beseitigt hat, so klar zeigt i-Size erste Erfolge. Denn diese Norm ist nicht nur kindgerechter als bislang an Größen- und Altersgruppierungen der Kinder orientiert, sondern stellt auch erhöhte Anforderungen an den Seitenaufprallschutz. Mit zwei Pionieren aus der Gruppe 61/67 bis 105 Zentimeter, im Test mit geringen Belastungswerten beim Seitenaufprall aufgefallen, gibt es ganz offiziell messbare Verbesserungen beim Schutzniveau. Die beiden Modelle Axissfix und 2way Pearl mit Isofix-Basis 2way Fix entstammen dem Portfolio von Maxi-Cosi, der sich vor Jahren mit der Ur-Babyschale und nun auch mit i-Size als Vorreiter im Markt sowie mit hervorragenden Sitzen positioniert hat. Waren i-Size-Sitze bislang hauptsächlich in den unteren Altersgruppen vertreten, bauen Hersteller wie BeSafe mit dem „guten“ iZi Flex Fix aber inzwischen auch erste i-Size-Sitze für ältere Kinder von 100 bis 150 cm Körpergröße, die die Stiftung Warentest ausdrücklich empfiehlt. Diese Kategorie entspricht Phase 2 der i-Size-Norm und ersetzt künftig die alte Sitzgruppe II/III für Kinder von 15 bis 36 kg oder etwa dreieinhalb bis zwölf Jahre. Phase 1 von 40 bis maximal 105 cm ist weiterhin nur auf die Kleinsten von Geburt bis etwa vier Jahre abgestimmt. Stehen Sie vor der Kaufentscheidung, können Sie noch immer frei wählen: In den Tabellen der Testinstitute stehen i-Size-Sitze gleichberechtigt neben den klassischen Sitzen älterer ECE-Zulassung – und in beiden Kategorien finden Sie auch gute günstige. Phase 3 soll ab 2019 eine Reihe von i-Size-Sitzen hervorbringen, die sich ohne Isofix im Auto fixieren lassen. Fahren Sie beispielsweise einen Oldtimer, liefert Ihnen diese Kategorie eine gute Hilfe bei der Entscheidung.

Unterscheidung in drei Phasen nach ECE R129 (i-Size):

  • Phase 1: i-Size-Sitze für Kinder von 45-105 cm
  • Phase 2: i-Size-Sitze für Kinder von 100 bis 150 cm
  • Phase 3: i-Size-Sitze für Kinder bis 105 cm nur für gegurtete Kindersitze

Maxi-Cosi Rock i-Size-Babyschale i-Size-Schutz auch ohne Isofix: Die Babyschale Maxi-Cosi Rock wird nur mit dem Fahrzeug-Dreipunktgurt im Auto befestigt. Tester stuften sie als gute Babyschale für Babys bis 75 cm Größe ein. (Bildquelle: amazon.de)

i-Size-Gesetzgebung im Klartext: Welche Phasen gibt es und wie geht es weiter?

  • Phase 1 der i-Size-Gesetzgebung wurde im Jahr 2013 eingeführt, um eine im Vergleich zu ECE R44 verbesserte Sicherheit für Kinder bis zu einer Körpergröße bis 105 cm auf europäischer Ebene zu gewährleisten. Statt des Körpergewichts ist nun die Körpergröße ein wichtiger Faktor, Rückwärtsfahren bis 15 Monate Pflicht. (Wahlweise) mit dem Autogurt fixierte i-Size-Sitze sind nicht zugelassen, Isofix ist zwingend.
  • Phase 2 der i-Size-Regelung gilt seit Juli 2017. Sie setzt die neuen Sicherheitsstandards für Testkriterien bei Sitzen für Körpergröße 100 bis 150 cm um. Neu sind sogenannte Q-Serien-Dummies, also realistischere Prüfpuppen für Crashtests mit Front- und Seitenaufpralltestes. i-Size-Sitze sind nun nicht mehr von Isofix abhängig, mittlerweile gibt es sie auch für den Autogurt. Auch Phase 2 löst die ältere Norm R44/04 nicht ab, beide Normen sind parallel gültig. Sie können also weiterhin zwischen Sitzen beider Kategorien entscheiden, es besteht keine gesetzliche Pflicht für Eltern, ihren R-44-Sitz durch ein i-Size-Modell zu ersetzen. Auch die Kindersitzpflicht bis 150 cm Körpergröße oder zwölf Jahre bleibt davon unberührt.
  • Phase 3 steht für gegurtete i-Size-Sitze für Kinder von der Geburt bis 105 cm Größe. Die für 2019 geplante Einführung dieser Umsetzungsphase sieht strengere Kriterien für gurtmontierte Kindersitze mit integriertem Hosenträgergurt vor.

Brauche ich erst ein neues Auto, bevor ich mir einen i-Size-Sitz anschaffe?

Es gibt eine ganze Reihe i-Size-zertifizierter Fahrzeuge, die von Haus aus auf die i-Size-Norm optimiert sind und selbst­verständlich Isofix-Ösen besitzen. Trotzdem müssen Sie sich derzeit nicht zum Kauf eines neuen Autos verpflichtet fühlen. Darüber hinaus wird es wohl noch eine Weile dauern, bis die Fahrzeughersteller auf breiter Front das Zertifikat „i-Size-Ready“ für Neuzulassungen beantragen. Möglich ist dies allerdings seit Juli 2013; das Siegel garantiert, dass i-Size-Sitze auch tatsächlich mit dem Fahrzeug kompatibel sind. Wenngleich Sitz und Fahrzeug verschieden sein können, werden da, wo sich der perfekte Schutz entfaltet, künftig i-Size-Zulassungsetiketten sitzen. Optimal sind demnach i-Size-zertifizierte Autos mit Isofix-Ösen.

Sind teure i-Size-Kindersitze vertrauenswürdiger als günstigere?

Nein. Die Qualität eines i-Size-Sitzes hängt nicht grundsätzlich vom Preis ab. Sichere i-Size-Babyschalen beispielsweise bekommen Sie schon ab etwa 200 Euro – und selbst Isofix, das regelmäßig als Preistreiber bei klassischen Kindersitzen auffällt, macht bei i-Size kaum einen Unterschied. So funktionieren etwa die i-Size-Babyschalen Maxi-Cosi Rock, Maxi-Cosi Pebble Plus und Britax-Römer Baby-Safe2 i-Size auch ohne Isofix-Sockel – zu Preisen zwischen 200 und 260 Euro (zum Testzeitpunkt). Für Eltern mit einem etwas schmaleren Geldbeutel interessant sind außerdem Testergebnisse zu etwas älteren Stichproben aus früheren Tests, die günstiger, aber sogar besser sind als Vertreter der modernen i-Size-Generation mit kostentreibenden Komfortmaßnahmen wie z. B. einem integrierten Airbag, einer flachen Liegefunktion oder 90-Grad-Rotation ohne unmittelbare Auswirkung auf das Schutzniveau. Natürlich können Sie in einem i-Size-Sitz noch deutlich mehr Geld unterbringen – wie so oft bei Kindersitzen mit üppiger Ausstattung. Für den Testsieger Kiddy Evoluna i-Size überweist man beispielsweise rund 350 Euro, für einen Reboarder-Kindersitz aus der i-Size-Kategorie bis zu 650 Euro (z.B. Maxi-Cosi Axissfix Air).

BeSafe iZi Flex-Fix i-Size für Kinder von 100 bis 150 cm Der BeSafe iZi Flex Fix i-Size ist der erste Kindersitz für ältere Kinder bis Größe 150 cm, der die Zulassungsnorm ECE R129-02 (i-Size) erfüllt. Tester stufen ihn als „Gut“ ein. (Bildquelle: amazon.de)

Kann mir ein i-Size-Sitz das Risiko abnehmen, mein Kind zu früh in Fahrtrichtung zu setzen?

Ja, auch das geben erste Erkenntnisse von Experten zur i-Size-Norm her. Die i-Size-Norm lässt Babys bis 15 Monate zwingend rückwärts reisen – die Möglichkeit, sie wie in ECE-Gruppe 0+/I bereits ab 9 kg in einen vorwärtsgerichteten Kindersitz zu setzen, gibt es nicht mehr. Damit sind sogleich zwei Probleme beseitigt: zum einen, dass Eltern ihr Kind zu früh (und unbewusst) der Gefahr starker Hals- und Nackenkräfte bei einem Crash aussetzen könnten; zum anderen, dass vielen Eltern die Unsicherheit genommen wird, wann nun der beste Zeitpunkt für einen Folgesitz sei. Testinstitute nehmen sich Sitze für Kinder bis 105 cm Größe immer häufiger vor, also mitwachsende Babyschalen für Kinder bis etwa vier Jahre, die anfangs rückwärts und ab 15 Monaten auch in Fahrtrichtung gesetzt werden können. Möchten Sie die Risiken einer Fehlentscheidung über die Sitzrichtung Ihres Kindes so gut es geht der Sitzkonstruktion überlassen, können ausschließlich rückwärtsgerichtete i-Size-Sitze bis 105 cm Körpergröße dienen. Als „Gut“ stufen die Tester beispielsweise den Graco Snugride i-Size mit i-Size Base oder Maxi-Cosi Pearl One mit FamilyFix One Base ein.

Autor: Sonja