Lautsprecher: Boxen für die Wand - zwei Highlights

Weil nah an der Wand stehende Lautsprecher aufgrund verfälschter Reflexionen eher dunkel und füllig klingen, stellen erfahrene Audiophile ihre Boxen meist mit einem guten Abstand zur Wand auf. Doch was tut der ambitionierte Hörer, wenn das Platzangebot eingeschränkt ist? Spezielle Wandlautsprecher sind eine Lösung. Die Zeitschrift „Stereoplay“ hat acht Modelle zwischen 770 und 9800 Euro getestet und vergibt zwei mal das Prädikat „Highlight“.

Wandlautsprecher sind den Erfordernissen einer grenznahenflächen Aufstellung gewachsen. So auch die Linn MAJIK 109. Die Boxen lassen sich über passende Halterungen direkt an der Wand montieren und erreichen dort sogar bessere Ergebnisse als freistehend im Raum. Dazu wurden der MAJIK einige Besonderheiten in die Wiege gelegt: Die Box verzichtet auf die übliche Anhebung im oberen Bassbereich und setzt stattdessen auf Tiefgang und Präzision. Dabei greift die 109 auf ein relativ voluminöses Gehäuse und ein Bassreflexsystem mit frontseitigem Austritt zurück. Dem Rundstrahlverhalten will man die nötige Homogenität über verschieden große Hochtonkalotten und ein zusätzliches Chassis abverlangen, wobei sich alle Kanäle entweder gemeinsam oder getrennt ansteuern lassen. Das Ergebnis klingt sehr räumlich und sauber, dabei lebhaft und ohne übertriebenen Oberbass. Auch die Mitten wurden klar abgebildet. Platz drei und dank überragendem Preis-/Leistungsverhältnis das erste Highlight dieses Tests.

Etwas tiefer muss man für die Thiel Power Point 1.2 in die Tasche greifen. Dennoch wird das Preis-/Leistungsverhältnis der organisch geformten Schallwandler als „überragend“ bezeichnet, denn die Boxen klingen extrem homogen und völlig stressfrei. Den Bassbereich umschreibt man mit den Worten „trocken und mulmfrei“, insgesamt empfand man das Klangbild als sehr plastisch und durchhörbar. Beim Klang erreicht die Thiel daher satte sieben Punkte mehr als die schon hervorragend tönende Linn MAJIK 109. Insgesamt bringt sie es mit einer Gesamtpunktzahl von 73 Punkten auf den zweiten Platz, nur noch geschlagen von der Revel Ultima GEM 2, die sich dank komplexer Technik für alle möglichen Raumsituationen empfiehlt und dort eine atemberaubend vielschichtige und dynamische Vorstellung bot. Allerdings hat dieses Meisterwerk aus Amerika auch seinen Preis, so dass es bei einem nur als „gut“ zu bezeichnendem Preis-/Leistungsverhältnis trotz Gesamtsieg für die Revel nicht zu einem Highlight reicht.

Wer gezwungen oder gewillt ist, seine Lautsprecher sehr nah an der Wand zu positionieren, der muss beim Klang – das hat dieser Test gezeigt - trotzdem keine Kompromisse machen. Eine besondere Empfehlung haben sich die Linn MAJIK 109 und die Thiel Power Point 1.2 verdient. Empfohlen wird außerdem der zusätzliche Einsatz eines Subwoofers, damit man auch im Tiefbassbereich exzellente Ergebnisse erzielt.

Autor: Jens