Die Zeitschrift „Image HiFi“ hat sechs kleine, audiophile Vollverstärker zwischen 300 und 1000 Euro getestet, die das gewohnte Preis-Klang-Verhältnis ad absurdum führen. Die günstigen Geräte gefielen teilweise so gut, dass sie sich – allerdings in Kombination mit deutlich teureren Lautsprechern – selbst vor den reinrassigen Luxus-Systemen nicht verstecken müssen. Drei Modelle stellen wir Ihnen exemplarisch vor.

Der erste Kandidat kommt von Arcam und trägt die Bezeichnung FMJ A18. Bei diesem Gerät wäre es ein Fehler, von der schlichten Aluminium-Ummantelung auf die verbaute Technik zu schließen, denn der 700 Euro teure Vollverstärker soll ein wahres Ausstattungswunder sein. So bringt der FMJ A18 neben sieben-Line-Eingängen auch eine 3,5 Millimeter-Klinkenbuchse für tragbare Player und einen rauschfreien Phono-MM-Eingang mit. Überdies sind ein Vorverstärkerausgang und zwei Record-Outs mit an Bord. Gelobt wird außerdem die einfache Handhabung, denn der digitale Lautstärkeregler an der Front legt nicht nur den Pegel fest, sondern erlaubt über Untermenüs den Zugriff auf Bässe, Höhen und Balance. Das Gleiche gilt erfreulicherweise für die mitgelieferte Fernbedienung. Im Hörtest gefiel der vornehm zurückhaltende Charakter des Arcam und die geradlinige Wiedergabe. Selbst den Tiefton fand man äußerst kontrolliert, dabei schlank und druckvoll. Wer sich eine mutigere Performance wünscht, der muss zur Oberklasse greifen.

Noch schlichter als das Gerät von Arcam kommt der 600 Euro teure Rega Brio 3 daher. Der Hersteller verzichtet sogar auf Fernbedienung, Kopfhöreranschluss, Display und die üblichen Leuchtdioden. Auch hier zählen vor allem die inneren Werte: So hat man sich für ordentliche elektronische Bauteile, eine belastbare Stromversorgung und simple Schaltungen entschieden. Lob gibt es außerdem für die hochwertigen Cinch-Buchsen, während sich der Eingangswahlschalter mit ungenauem Einrasten Kritik verdient. In Sachen Klang mussten die Tester zunächst ein wenig Geduld mitbringen, denn in der ersten halben Stunde wirkte der Brio recht zurückhaltend. Nach dem Ende der Warmlaufzeit trumpfte der Vollverstärker dann mit einer äußerst lebendigen Klangkulisse auf, die man selbst bei Geräten um die 3000 Euro nicht immer erleben darf. Im Zusammenspiel mit erstklassigen Lautsprechern fährt der Rega Brio 3 voll auf, überzeugt mit Spielwitz und einer Spur Sanftmut. Nach Meinung der Redaktion ein Geheimtipp und damit eine absolute Kaufempfehlung.

Das günstigste Gerät kommt von Marantz und kostet 300 Euro. Der PM5003 dürfte allein damit bei den Roughnecks unter den High-Endern in die Kategorie „Uninteressant“ fallen. Diese Einschätzung wird dem Vollverstärker allerdings nicht gerecht, denn er klingt überraschend wuchtig. Dafür soll die Strom-Gegenkoppelungstechnik verantwortlich sein, die man sonst nur in deutlich teureren Marantz-Modellen findet. Und so spielt der PM5003 sehr offen und schnörkellos, dabei punktgenau und mit einer sehr dreidimensionalen Darstellungsfähigkeit auf. Das letzte Quäntchen Potential vermisst man lediglich im äußersten Hoch- bzw. Tieftonbereich. Ausstattungsseitig werden die für HiFi-Verhältnisse eher instabilen Lautsprecherklemmen kritisiert, während man sich andererseits auf Phono-MM-Eingang und gleich zwei Aufnahme-Ausgänge freuen darf. Auch hier: eine wirkliche Kaufempfehlung.

Erstaunlich, was die günstigen Vollverstärker unter audiophilen Gesichtspunkten alles leisten. Wer auf der Suche nach einem Gerät ist, das schon für (relativ) kleines Geld exzellente Ergebnisse liefert, der wird bei den sechs Modellen sicher fündig.

Die Testergebnisse im Überblick finden Sie hier.