Dass die Signalübertragung der Sinnesorgane auf elektrochemischen Prozessen beruht, ist wohl den meisten Menschen bekannt. Das gilt auch für das Innenohr, das für den Gleichgewichtssinn zuständig ist. Die kleinste Beeinflussung der elektrischen Potenzialdifferenz liefert falsche Ergebnisse ans Gehirn und lässt den Betroffenen ins Straucheln kommen, sodass ein starker Drehschwindel entsteht und die Bewegungsfähigkeit des aufrechten Gangs enorm eingeschränkt ist. Kommen dann noch Übelkeit, Ohrgeräusche und Hörverlust hinzu, spricht man vom Morbus Menière oder von der Menière‘schen Trias.
Ursachen
Man vermutet, dass die Ursachen einem Überdruck in der Gehörschnecke zuzuordnen sind, dessen Genese nicht geklärt ist. Der Stau der Endolymphe im Innenohr kann jedoch bei zu hohem Druck zum Einreißen der Reißner-Membran führen oder eine Durchlässigkeit des Endolymphschlauchs herbeiführen. Dabei kommt es zur Vermischung der kaliumreichen Endolymphe mit der natriumreichen Perilymphe und es entsteht ein elektrisches Ungleichgewicht. Durch die falschen elektrischen Impulse kommt es zur Fehlinterpretation des Gehirns über die Körperlage und der starke Drehschwindel wird wahrgenommen. Die Reißner-Membran verschließt sich zwar wieder, jedoch kommt es bei häufigeren Anfällen zur Narbenbildung und schließlich zum Gehörverlust.
Schwindel, Hörsturz, Tinnitus
Die Menière-Anfälle kommen schubweise und können sich in unregelmäßigen Abständen wiederholen. Die bereits genannten Drehschwindel können Minuten, aber auch Stunden anhalten und verschlechtern sich bei Bewegung. Begleitend treten Übelkeit und Erbrechen auf. Dabei verschlechtert sich das Hörvermögen, was von einem Druckgefühl und Ohrgeräuschen (Tinnitus) begleitet wird. Letzterer ist beim Morbus Menière meist niederfrequent. Leider bleiben nach mehrfachen Anfällen Tinnitus und eine Hörminderung langfristig bestehen.
Behandlung
Eine Heilung des Krankheitsbildes ist noch nicht möglich, jedoch ist eine positive Beeinflussung erreichbar. Im akuten Anfall gibt man Vomex gegen die Übelkeit und Betahistin zur Senkung des Endolymphdrucks. Durchblutungsfördernde Maßnahmen und Druckbehandlungen können bei Morbus Menière nicht helfen. Wenn die Anfälle zu häufig auftreten und medikamentös nicht gesteuert werden können, erfolg ein chirurgischer Eingriff zur Druckentlastung vorgenommen.